MSCI World vs. Dividendendepot

Es taucht immer wieder die Frage auf, ob ein ETF im Vergleich zur Dividendenstrategie nicht viel besser ist, zumal ich immer Steuern auf die Dividende zahlen muss und überhaupt wäre die Dividendenstrategie schlecht und würde nichts bringen.

 

Derartige Mails und Kommentare bekomme ich immer wieder, allerdings ohne dies in irgendeiner Form belegt wird.

 

 

Ist das wirklich so?

 

Dem gilt es auf den Grund zu gehen und ich habe mir überlegt, mein Depot mit einem ETF zu vergleichen. Nun gibt es unzählige ETFs und ich musste mir einen aussuchen. Wenn ich die ganzen ETFs mit speziellen Schwerpunkten außer Betracht lasse, dann bleiben nur einige Varianten übrig. Entweder einen Dividenden-ETF (z. B. von Vanguard), einen S&P 500 ETF, da mein Depot aus US-Werten besteht oder einen ETF auf den MSCI World.

 

Hier fragte ich mich, wenn ich keine Lust auf Einzelaktien hätte, wie würde ich investieren? Vermutlich würde ich einen ETF wählen, der die ganze Welt abdeckt. Also entschied ich mich, den iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH) von Blackrock zum Vergleich heranzuziehen. Dieser ETF hat ein Volumen von über 21 Mrd. Dollar und wird oft als der ETF zitiert, der für den Normalo gut geeignet ist. Die Kostenquote mit 0,2% ist rel. günstig und bei allen Brokern problemlos zu erwerben bzw. zu besparen.

 

Da ich meine Sparbeträge seit über sechs Jahren mit dem Start des US-Depots aufliste, habe ich hier eine gute Datenbasis zur Verfügung. Die Monatsschlusskurse des MSCI World kann man problemlos auf verschiedenen Seiten downloaden und als CSV-Datei in Excel einfügen, man muss nur auf die Währung achten und sich die Daten in Euro holen. Also kaufte ich für das vorhandene Geld am Monatsende die möglichen Anteile, wobei ich 1% Kaufgebühr berücksichtigte. Zum Jahresende zog ich noch 0,2% Verwaltungsgebühren ab. 

 

In der Grafik unten ist die Tabelle meiner Berechnungen dargestellt:

 

In der letzten Zeile ist das Ergebnis zum Ende September 2020 schön abzulesen. Ich habe insgesamt 300.248,00 € gespart, das virtuelle Depot weist einen Wert von 385.209,77 € auf und der Gewinn beträgt 84.961,77 € (28,30%).

 

Der Wert von meinem US-Depot lag Ende September bei 333.589,34 € und bar hatte ich noch rd. 11.800 €, in Summe also 345.389 €.

 

Im ersten Moment schaut es so aus, als hätte der MSCI World um 40.000 € besser performt als mein US-Depot. Allerdings sind das Brutto-Beträge. Wie sich die Steuer bei thesaurierenden Fonds verhält, kann ich mangels Wissen nicht genau sagen, daher versteuere ich den Betrag komplett zum Ende September. Würde ich beide Depots liquidieren, dann würde sich das Bild etwas zu meinen Gunsten ändern. Bei einem Verkauf der ETF-Anteile würden rd. 22.400 € Steuer anfallen und bei meinem US-Depot lediglich 3.230 € Steuer, da ich regelmäßig die Dividenden versteuern musste. Letztlich hat der MSCI World die Nase immer noch mit 20.640 € vorn. Also rund 6% innerhalb von 6 Jahren.

 

Ich stellte mir daraufhin die Frage, ob das ein kontinuierlicher Prozess ist oder doch nur eine Momentaufnahme. Hier habe ich wieder den Vorteil, dass ich die Wertentwicklung von meinem Depot jeden Monat erfasse, ebenso die freien Mittel. In der nachfolgenden Grafik, habe ich den Depotwert und die Entwicklung des MSCI World gegenüber gestellt.

 

 

Man kann sehr gut sehen, dass die Entwicklung beider Depots gut im Gleichklang verläuft. Erst seit dem Kurssturz im Frühjahr und die anschließende Erholung hat den Unterschied hervorgerufen. Hat mein Depot also mehr unter der COVID-19-Pandemie gelitten als der Rest der Welt?

 

Dazu lohnt sich ein Blick in die Zusammensetzung des MSCI World. Die Gewichtung liegt zu 66% in den USA und die 6 größten Positionen sind Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und 2 x Alphabet, die alleine schon 15% Gewicht haben. Bekanntermaßen sind gerade diese Unternehmen die Gewinner der Pandemie und haben teilweise bereits astronomische Bewertungen erreicht.

 

 

Da stellt sich mir die Frage, ob diese Bewertungen zu halten sind und falls es einmal zu einem kleinen Technologie-Crash kommt, ob der MSCI World im Vergleich zu meinem Dividendendepot stärker an Wert verliert und der Gleichklang wieder hergestellt wird?

 

Zusammengefasst kann man sagen, die Dividendenstrategie muss nicht zwangsläufig schlechtere Ergebnisse als der MSCI World liefern. Ich fühle mich mit meiner Strategie wohl und sollte es auf Sicht von zehn Jahren zu einer Outperformance von ein paar Prozent kommen, dann kann ich damit sehr gut leben. Mir sind meine regelmäßigen monatlichen Einnahmen wesentlich lieber, als irgendwann Anteile verkaufen zu müssen, gerade wenn die Börsen crashen und sich 60% vom Depotwert in Luft auflösen, dann bekomme ich meine Dividenden weiterhin und sitze das dann aus.

 

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Kommentare: 23
  • #1

    Rene (Sonntag, 18 Oktober 2020 17:28)

    Hallo Alexander,
    die Glaskugel haben wir ja nicht und somit müssen wir alle unsere Strategie durchziehen. Du bist ja gut davor und somit sollte es langfristig sich angleichen.
    Wichtig ist doch nur, dass du am Ende einen Ertrag erwirtschaftest, der ein gesichertes Leben bietet. Es wird bei der Anlage eh nur einen Gewinner geben und das sind wir alle :-).
    LG René

  • #2

    Tobias (Sonntag, 18 Oktober 2020 17:37)

    Für Einkommensinvestoren die in Einzeltitel investieren ist auch die persönliche Dividenrendite (YoC) von Bedeutung.

  • #3

    Robin (Sonntag, 18 Oktober 2020 17:46)

    Hi Alexander,
    bin kräftig dabei, (mit 60 als Freiberufler mit einer zu erwartenden Minirente) mir ein regelmäßiges Dividendeneinkommen für den Ruhestand aufzubauen. Dabei ist für mich nur eine Kennzahl wichtig: die Dividendeneinnahmen im Jahr. Diese erhöhe ich stetig durch Zukäufe und Dividendensteigerungen. Somit ist die Rendite des Portfolios im Vgl. zu Indizes für mich absolut belanglos. (Also weiter so!) Beste Grüße Robin

  • #4

    Heiko (Sonntag, 18 Oktober 2020 18:53)

    Hallo Alex,
    Jeder Anleger sollte in das investieren, mit dem er sich wohl fühlt und mit dem er nachts gut schlafen kann. Ich mag lieber Regelmässiges Einkommen in Form von Dividenden, als die Hoffnung auf Kurssteigerung, denn nur erhaltene Dividenden kann mir keiner mehr nehmen. Ich möchte nicht ständig in Angst vor dem Preis leben. Auch kommt es auf die jeweilige Lebenssituation an, wenn z.b. jemand in Rente darauf angewiesen ist sein Einkommen aus dem regelmässigen Verkauf von Anteilen bestreiten zu müssen, kann es fatal sein, wenn genau zu dem Zeitpunkt ein Crash herrscht und seine Anteile nicht viel wert sind. ETF werden oft als Allheilmittel gepriesen, aber sind sie das wirklich? Mit dem Kauf des genannten ETF ist man in 1605 Positionen vertreten - darunter sind gute wie auch schlechte. Die Zusammensetzung kann ein Anleger nicht beeinflussen, er kann nur hoffen, daß sich die positiven Ergebnisse der Vergangenheit fortsetzen.
    Mit deiner Strategie aber, hast du die Freiheit selbst zu entscheiden und kannst deine Dividenden in die Werte reinvestieren die dir persönlich gefallen. Viele Leser schauen in deinen Blog, weil es interessant ist deinen Weg mitzuverfolgen und zu sehen welche Werte du auswählst. ETF sind nicht unbedingt meine bevorzugte Art des Investierens. Aber wie gesagt, jeder hat seine eigenen Vorlieben.
    LG Heiko

  • #5

    Gregor (Sonntag, 18 Oktober 2020 19:01)

    Hallo Alexander,
    sehr schöner Vergleich. Da du ja deine Anteile am liebsten nicht verkaufen willst am Ende wäre ein Vergleich mit einem Auschütter (wie zum Bsp. Vanguard FTSE ACWI 4x im Jahr Dividende) interessant. Da du ja ihn am Ende auch nicht verkaufen müsstest um regelmäßig Cash zu erhalten.
    Ich bin in beidem investiert (ETF und Einzelaktien). Es macht einfach Spaß jeden Monat Geld zu erhalten. Habe mich aber auch schon gefragt, ob es den Aufwand wert ist einzelne Aktien zu suchen anstatt einfach einen ausschüttenden ETF zu besparen.

    Vielen Dank für deinen Blog. Mach weiter so.

  • #6

    Ddorfer (Sonntag, 18 Oktober 2020 19:40)

    Nabend Alex,

    zunächst einmal besten Dank für deine transparente Darstellung! Besten Dank und Hut ab!
    Finde es klasse (und hätte es so nicht erwartet) dass sich dein Depot da so wacker geschlagen hat. Auch dafür: Respekt!

    Technisch sein angemerkt:
    - vermutlich sind die Kaufkosten des ETF mit1% tüchtig hoch angesetzt. Solch einen Butterbrot-ETF bekommst in Sparplänen oft für Nüsse.
    - die 0,2 % TER brauchst du nicht abzuziehen. Da ist die ETF-auflegende Gesellschaft so freundlich, dir da die Arbeit zu ersparen und sich da täglich selbst zu bedienen. Die nehmen dir da keine Anteile weg, sondern passen den Kurs des ETF an.
    - Beim Verkauf gilt die Teilfreistellung von 30%. D.h. du versteuerst "nur" 70% deiner knapp 85K

    Dir weiterhin viel Erfolg!

  • #7

    Samuel (Sonntag, 18 Oktober 2020 20:40)

    Hi Alex,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Du bist eine klasse Inspiration.

    Persönlich bespare ich einen MSCI ACWI der hat ca 3000 Unternehmen. Bildet meine Altersvorsorge. Mit dem was übrig bleibt baue ich mir ein Dividendenportfolio auf.
    Die TER musst du nicht abziehen. Die gibt auch nicht die eigentlichen Kosten wieder. Die Tracking Difference sind deine eigentlichen Kosten und die spürst du so direkt nicht.

    Gruß Sam

  • #8

    Joerg (Montag, 19 Oktober 2020 10:02)

    Hallo Alexander,

    auch Glueckwuensche von mir, schon mal bereit zu sein, einen sauberen Vergleich zu machen!

    "Ddorfer" hat schon ein paar Verbesserungsmoeglichkeiten genannt (TER nicht nochmal abziehen, Teilfreistellung beachten bei Steuer-Vergleichen, Kaufgebuehren zu hoch angesetzt, da Sparplaene zu 0 - 1,5€/Kauf verfuegbar), das bringt aber nur Peanuts.

    Der Elefant im Raum:
    Allerdings ist ganz klar der iSh Core MSCI World (IE00B4L5Y983) NICHT der richtige Index zum Vergleich mit deinem US-Div-Depot! Hier kommt mE der S&P 500 in Frage (zB LU0490618542 Xtrackers S&P 500)?

    Dann wird allerdings der Unterschied/deine Unterperformance schmerzhaft groesser ... (face your fears?): https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/IE00B4L5Y983,LU0490618542

    Die Corona-Krise ist ein Segen fuer alle Dividenden-Strategen, deckt sie doch schonungslos die Schwaechen auf: Dividenden werden gekuerzt Unsicherheit ob/wann Rueckkehr auf alte Niveaus. New vs Old Economy ... Lieber frueher einen Kurswechsel? als wenn es zu spaet ist (Entsparphase)?

    Wenn man nun von Div. leben muesste, schrumpfte das Konsum-Budget, man muss ggfs doch Anteile zu schlechten Kursen verkaufen (der SuperGau in der Div.Ideologie?).
    Obenauf zahlt man auch in negativen Boersenjahren stets brav KESt auf die hohen Ausschuettungen.

    LG Joerg

  • #9

    Ddorfer (Montag, 19 Oktober 2020 10:34)

    @ Joerg:

    Inhaltlich ist deinem Post wohl nichts hinzuzufügen. Ich befürchte, dass du einen allzu menschlichen Fehler in deiner Argumentation hast:-(
    Fehler: Logische Argumentation. Wir Menschen sind vom Willen geprägt und nehmen dann die Argumente, die dazu passen. Die anderen werden wahlweise negiert, anders gewichtet und wenn gar nichts mehr geht, wird halt der Autor persönlich angegangen.
    Als jemand, der da auch seinerzeit allen Verlockungen erlegen ist (Mein damaliges Depot findet sich hier auch irgendwo im Blog) , verstehe ich das allzu gut.
    Es ist (für manche/viele) einfach zu schön, durch die Dividendeneingänge permanent "belohnt" zu werden. Außerdem kann es ja auch Spaß machen, sich des Themas "Aktien" quasi als Hobby anzunehmen. Wenn man sich klar macht, dass das ein Hobby ist, dann ist ja aus meiner Sicht schon viel gewonnen und man braucht sich da nichts künstlich schön zu reden.
    Mit Blick auf die trockenen Fakten:
    - Kaum ein Fonds schlägt nen Index. Warum sollten wir als unser persönlicher Fondsmanager das schaffen?
    - Was wissen wir, was andere nicht (mindestens) auch schon lange wissen?
    - Warum versteuern wir die Dividenden auch in schlechten Börsenjahren, wenn wir nicht zwingend drauf angewiesen sind?
    - Alle kennen den "Zinseszins-Effekt". Juhu. Wie nennen wir es , wenn wir von versteuertem Einkommen Aktien kaufen, welche uns Dividenden zahlen. Diese versteuern wir und kaufen von diesem Geld: Aktien! Diese zahlen uns Dividenden auf die wir.... und so weiter.

    Lange Rede - kein Sinn:
    - Es ist ohne Alternative, sich um die Geldanlage zu kümmern
    - Aktien sind, wenn es ansonsten auch passt, das Mittel der Wahl
    - Solange man nicht drauf angewiesen ist, sollten einen Dividenden nicht interessieren. Heißt: Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich das ändert (z.B. Renteneintritt) sollte man nach Ausschöpfen des Freibetrages auf steuerschädliche Auszahlungen verzichten und einfach ansparen.
    - Dann heißt es: Lage checken. Entweder in dividendenzahlende Titel umschichten (kostet durch die dann fälligen Steuern einiges, aber irgendwann zahlt man eh immer Steuern, außer man spart für die Erben) oder halt laufen lassen und Anteile verkaufen, wenn es einem passt.

    Hui... was für ein Wort zum Montag :-)

  • #10

    DividendenSparer (Montag, 19 Oktober 2020 10:43)

    Hallo Alexander,

    schön, dass du dir die Mühe gemacht hast, mit realen Zahlen MSCIWorld-ETF und Dividendendepot zu vergleichen. Wenn man sich den Verlauf des Diagramms so anschaut, dann waren beide eigentlich immer gleich auf, nur jetzt nach/während der Coronakrise nicht mehr.

    Selbst wenn der MSCIWorld die Dividendenstrategie deutlich schlagen würde, würde ich bei meinen Dividendenaktien bleiben. Ein ETF wäre mir zu langweilig. Lieber schaue ich zu, wie meine Dividendenausschüttungen jedes Jahr steigen.
    So muss ich mir auch keine Gedanken machen, wenn ich das Vermögen eines Tages brauche. Ich muss keine Aktien verkaufen, kann einfach die Dividenden verkonsumieren, die ich bisher reinvestiert hatte.

    Eine Umschichtung in Dividendentitel, wenn man in die Entnahmephase eintritt, halte ich auch für keine gute Idee. Schließlich muss man sich dann mit den aktuellen Dividendenrenditen abfinden und profitiert nicht von den - über die Jahre gewachsenen - Dividendenrenditen durch Dividendensteigerungen.

    Viele Grüße
    Mike

  • #11

    Ddorfer (Montag, 19 Oktober 2020 10:50)

    @ Dividendensparer:
    Erma besten Dank für deinen Input!
    Inhaltlich nehme ich daraus für mich mit:
    - Du formulierst "Selbst wenn der MSCI World.... schlagen würde". Hallo? Alexander hat doch geschrieben, dass er es HAT, nicht würde.
    - ETF zu langweilig. Aktien als Hobby sind doch ok. Man braucht sich selber da ja nichts schön zu reden. Hobbies kosten. Ich erwarte auch nicht, dass Motorrad fahren und "mit Hund spazieren gehen" finanziell rentabel sind.
    - Logische Anmerkung am Rande/Schluss: Wenn du in der Entnahmephase umschichtest, profitierst du natürlich von den Dividendensteigerungen der Vergangenheit. Denn genau diese kaufe ich heute ein. Ich habe nur die Zwischenstufen der Vergangenheit nicht jeweils versteuert.

    Sowas in der Art meinte ich mit dem "Willen" geht vor Logik. Ist ja weder verwerflich noch schlimm - wir Mensch sind bauartbedingt so :-)

    Kaffee.

  • #12

    42sucht21 (Montag, 19 Oktober 2020 11:09)

    Alexander, ich finde dies ein sehr interessanten Beitrag. Herzlichen Dank dafür! Ihre erfolgreiche Strategie scheint gut für Sie zu passen und auch Spaß zu bringen. Gratulation, da wird in einigen Jahren einiges zusammen kommen!

    Ddorfer hat ja schon wichtige Punkte genannt. Die 1% Kaufkosten erscheinen mir für einen Vergleich auch ungerecht. Warum nicht ebenfalls Käufe über Ihres FreeBuy Depot annehmen? Auch der plötzliche Gesamtverkauf mindert den Vorteil des gewählten thesaur. ETF. Nach 30 Jahren fährt die Steuerstundung der thes. doch erst so richtig ihre Vorteile ein. Ich persönlich vermute, mit diesen Parametern wäre im Vergleich der ETF deutlich vorne. Das nehme ich für mich wieder mit.

    Als Vergleichs-ETF hätte ich persönlich mir einen ACWI oder den von @Gregor genannten VG FTSE All-World (Dis) gewünscht. Ich denke, für dividendenorientierte langfrist Anleger für die Rente wäre das eine gute Alternative. (Man könnte dann zusätzlich noch vom gleichen Anbieter den gleichen ETF noch als (Acc) im Vergleich zeigen.) Anders als Sie oben schreiben deckt der Core World ETF ja meines Wissens "lediglich" die small und mid cap der 23 Industrieländer ab und eben nicht die EM sowie größere small cap. Der von Joerg vorgeschlagene S&P500-Vergleich wäre sicherlich auch interessant. Allerdings finde ich die Aussagekraft des Vergleichs seit 2015 für eine lange Strategie nicht so gut weil der S&P wirklich steil ging. Ob das so bleibt für weitere 25 Jahre? Kann sein.

    @Joerg, Sie bleiben Ihre Linie treu. Das finde ich gut. Inhaltlich bin ich eher bei Ihnen. Ich glaube aber, Cash-flow und Dividenden und so nette Blogs wie der von Alexander motivieren viele Anleger sehr stark überhaupt erst längerfristig am Ball zu bleiben. Das ist doch für mich das wichtigste. Ich hoffe, zB die 6-teilige und nun fast 10 jahre alte Serie Debunking Dividend Myths vom Canadian Couch Potato ist auch den Lesern dieses Blogs bekannt.

    Ich vermute, monatlich ausschüttende ETF-Formen wie der neuere Vanguards Retirement Income ETF Portfolio (VRIF) oder iShares Diversified Monthly Income ETF werden in Deutschland zukünftig immer populärer.

  • #13

    42sucht21 (Montag, 19 Oktober 2020 11:30)

    Ups, Tippfehler: Der World ETF investiert natürlich nur in <large> und mid cap der DC (nicht small caps!) .

  • #14

    CK7985 (Montag, 19 Oktober 2020 12:31)

    Ein sehr wertvoller Beitrag,

    wenn man (nicht mal) den relativ trägen MSCI World schlägt, gibt es keinen Grund für ein individuelles Stock Picking.

    Ziel der Geldanlage in Einzelaktien kann im Grunde nur die Outperformance sein. Alles andere - insbesondere der Cashflow - ist irrational. Dividendeninvestore machen sich hier defintiv etwas vor.

    Was sind Dividenden? Es sind versteuerte Depotentnahmen. Ich bekomme 100 Euro, versteuere sind und reinvestiere gut 70 Euro. Daran sieht man bereits dass diese Strategie über Jahrzehnte betrachtet schädlich für den Vermögensaufbau ist weil man mit jeder Ausschüttung ein Steuergeschenk an Olaf Scholz macht. Klar mit ausschüttenden ETFs oder der Vorabpauschale kommt man da auch nicht gänzlich drum rum.

    Hobby ist ja schön und gut aber wenn ich mit WEIT weniger Aufwand den gleichen Ertrag erzielen kann, gibt es eigentlich nur einen Weg denn es geht immer nur um die Rendite, die Vermögensmehrung. Dividenden sind ein Teil davon.

    Und der MSCI World ist ein netter Benchmark aber mit einem Depot mit sagen wir 50 Aktien sollte man schon deutlich outperformen. Welchen Sinn hat die Fokussierung sonst. Vom S&P 500 oder gar Nasdaq sprechen wir lieber nicht erst.

    Klar Cashflow ist psychologisch betrachtet sehr reizvoll aber im Grunde ein Bremsklotz, mit dem man seit nunmehr über 12 Jahren klar schlechter Performt als Wachstumsaktien. Wenn man sich das leisten will und kann :-)

    Grüße

  • #15

    CK7985 (Montag, 19 Oktober 2020 12:37)

    Hallo nochmal :-)

    Hab eben mal nen Blick aufs Depot geworfen.

    Ich kann kaum glauben, dass Du mit dem Depot mit dem MSCI oder S&P Schritt halten kannst. Klar starke Dividendenzahler aber insgesamt stark angestaubt. Überwiegend old economy, keine echten Wachstumswerte (mit Ausnahme eines Titels wie Microsoft), dem schleichenden Untergang geweihte Branchen wie Tabak, Öl, einige Reits. Was mir relativ gut gefällt sind die Konsumtitel ex Tabak, die eine gute Basis sind.

    Man kann ja auf Dividenden gehen aber man muss doch das eigene Depot auch etwas moderner aufstellen und den Trends der heutigen Zeit anpassen oder?

  • #16

    CK7985 (Montag, 19 Oktober 2020 12:40)

    Ach und beim ACWI z. B. bekommt man momentan auch ca. 2,5% Dividende p. a.

    Bedeutet bei Deinem Depotwert 7800 Euro Bruttodividende.

    Nur mal so...Cashflow kann man damit auch sehr gut erzeugen, nur vllt. nicht so gut skalierbar.

  • #17

    The European View (Montag, 19 Oktober 2020 13:50)

    Schöner Beitrag!

    Grundsätzlich sollte jedem bewusst sein, dass man als Privatanleger langfristig (10 Jahre +) kaum einen Vergleichsindex schlagen kann. Begeht derjenige, der das weiß und trotzdem auf Einzelaktien setzt, einen Fehler?

    Aus meiner Sicht überhaupt nicht. Investieren ist kein Wettrennen. Investieren ist Wealth Management und hier kommen viele Faktoren zusammen. Zwei der wichtigsten sind Geduld und Motivation. Der unwichtigste ist meines Erachtens, wie der Einzelne gegenüber seinen Nachbarn abschneidet.

  • #18

    Ddorfer (Montag, 19 Oktober 2020 16:33)

    @ European View:
    Das die Performance des/eines Dritten irrelevant ist, da bin ich völlig bei dir.
    Halte es aber für ein Gebot der Logik sich zu fragen, was man da macht, wenn man dem World zuverlässig hinterher schauen muss. Wenn dem so ist, dann sollte man sich bewusst sein, dass man da Liebhaberei/n Hobby betreibt.
    Mit rationalem Anlegen hat es doch sonst nichts zu tun, wenn man mehr Risiko für weniger Rendite nimmt.

    SG

  • #19

    Esquilax (Montag, 19 Oktober 2020 16:41)

    Danke für den tollen Vergleich. Ich glaube nicht jeder Blog-Betreiber würde dieses Ergebnis, welches wirklich gut ist, in einem Blog-Beitrag seinen Leser mitteilen. Immerhin schneidet der Vergleichs-Index ja besser ab, als Alexanders Dividendenstrategie. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Das könnte künftig an einem anderen Tag mal anders sein, wer weiß. Aber im Moment siegt mal wieder die Finanzwissenschaft, die eindeutig für das Setzen von breiten Welt-ETFs spricht.

    Was für mich immer ein bisschen für Dividenden und Ausschüttungen spricht, ist der waghalsige Blick in die Zukunft. Wie werden ETFs wohl in 5, 10 oder 20 Jahren besteuert?
    Da freuen sich alle die, die in diesen Zeiten bereits die Dividenden kassiert und reinvestiert oder verkonsumiert haben.

    Daher: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.

  • #20

    Ddorfer (Montag, 19 Oktober 2020 17:29)

    @ Esquilax; Ganz mein Opa!

    Der dachte sich auch: Bevor ich in 20 jämmerlich verrecke hänge ich mich lieber heute auf!

    Ja ja.. der Hans, der wusste wie es geht!

    SG

  • #21

    Andreas66 (Montag, 19 Oktober 2020 19:38)

    Hallo Alexander,

    zuerst mal Gratulation zu diesem offenen und ehrlichen Beitrag. Wie schon von jemandem oben geschrieben, würden viele Blogger oder Insta Jünger solche Beiträge nicht veröffentlichen, da ja nur deren eigene Strategie die richtige sein kann ;-)

    Da ich dich persönlich kenne, weiß ich, dass du damit überhaupt kein Problem hast.
    Ist ja deine Strategie und wie du so schön sagst, man muss ruhig schlafen können. Da du auf 50 Werte begrenzt hast, ist es auch deutlich weniger Arbeit mit Nachkäufen als ständig auf der Suche nach neuen Werten.

    Wie von "Ddorfer" geschrieben, ist es lt. Statistik auf lange Sicht fast unmöglich, mit einem "persönlichen aktiven Fond" einen großen Index ETF zu schlagen.

    Ob du jetzt mit dem richtigen ETF verglichen hast (über den RICHTIGEN ließe sich jetzt auch ewig diskutieren) ist meiner Meinung nach unerheblich.

    Viele der Poster hier sollten sich viel mehr dein angestrebtes Ziel vor Augen halten. Du willst in ein paar Jahren etwas früher aus dem Arbeitsleben aussteigen und die monatlichen Divi Erträge langfristig als nettes Zubrot zu deiner Pension verwenden.
    Du bist Bj. 1966 (so wie ich) und willst keine hochvolatilen Wachstumswerte im Depot. Dir das monatliche Zittern ob des Kursstandes bei notwendigen Teilverkäufen bei Nichtdividendenwerten ersparen.

    Wie du regelmäßig schreibst, ist dir der Depotwert ziemlich egal. Kann es dir auch wenn du keine Verkäufe planst.

    Wie sieht es da wohl bei thesaurierenden ETF Besitzern in der Entsparphase bei einer Wirtschaftsrezession aus, wo die Kurse unterirdisch sind?
    In so einer Situation werden natürlich, wie in manchen Branchen derzeit, Divi Aussetzungen oder Kürzungen da sein. Aber nicht bei allen 50 Werten, vor allem nicht bei deiner breiten Branchenstreuung.

    Und ob jetzt Öl- und Tabakwerte dem Untergang geweiht sind, wage ich sehr zu bezweifeln. Klar, mit den Insta und Facebook Modeaktien, allen voran Appel und Tesla konnte man in der Vergangenheit tolle Kursgewinne erzielen. Sind sie das aber in 10 Jahren auch noch?
    Allein darüber ließe sich endlos lange diskutieren...

    PS: ich wette jetzt schon, dieser Blogbeitrag von Alexander wird einen neuen Post Highsore erreichen. Hier prallen die Ansichten der New Old Economy / Wachstums / Divi / ETF Jünger frontal aufeinander ;-)

    LG Andreas66

  • #22

    Sven (Montag, 19 Oktober 2020 19:57)

    Ich kann eurer Argumentation pro Wiederanlage folgen und auch unterschreiben. Aber seid ihr euch sicher, dass wir zukünftig weiter mit 25% Abgeltungssteuer davon kommen? Ich zahle lieber heute schmale 25% als zukünftig meinen persönlichen Steuersatz.

  • #23

    Sebastian (Montag, 19 Oktober 2020 20:24)

    schon lustig, wie einige hier sinnbildlich Alexanders Depot allgemein für alle auf Dividenden fokussierte Investoren hinstellen und meinen, pauschal beurteilen zu können, dass diese Strategie immer schlechter abschneidet als "der Index". Immer dran denken, dass es nur eine Momentaufnahme ist und Alexander meiner Einschätzung nach auch nicht besonders viel Wert auf Markettiming legt. Ich schätze, Ingo von Mission Cashflow oder Divantis mit einer Dividendenstrategie hätten besser abgeschnitten. (sorry Alexander). Ppc Ian (amerikanischer Youtuber mit Dividendenansatz) hatte im Vergleich den S&P 500 ordentlich outperformt. Ich jedenfalls mische beide Strategien, Dividendenwachstumswerte wie Texas Instruments, Tencent, Home Depot mit Wachstumswerten/SmallCaps wie Amazon, Hypoport,Fabasoft.

    Danke Alexander für den ehrlichen Beitrag.