Ich muss mich wieder auf das Wesentliche besinnen

Derzeit geht es an den Börsen recht turbulent zu und kleinste Verfehlungen bei den Analystenschätzungen führen zu heftigen Kursausschlägen. Ich habe mich selber dabei ertappt, dass ich mich davon mehr beeinflussen lasse als mir lieb ist. Dazu kommen gefährliches Halbwissen und falsche Interpretationen von Unternehmensmeldungen in verschiedenen Foren durch die User.

 

So verliert BAT an einem Tag 8 %, weil in den USA vielleicht Menthol-Zigaretten verboten werden sollen. IBM möchte Red Hat kaufen und Qualcomm verliert ebenfalls, weil die Zahlen nicht so in das Weltbild einiger passen, ebenso Williams-Sonoma. Es herrscht Unsicherheit und Nervosität Allerortens.

 

Das menschliche Gehirn hat die Eigenschaft, kurzfristige Meldungen über zu gewichten und man ist schnell geneigt, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wohl dem, der es schafft dies alles auszublenden. Richtig bewusst ist mir das durch die Kursverluste von Freenet geworden, die ich im Familiendepot habe und viele bereits den Weltuntergang herbeireden.

 

Es gibt einige extreme Anleger, die nie verkaufen und einfach abwarten, egal was kommt. Dies entspricht nicht meinem Naturell und ich bin durchaus bereit einen Wert zu verkaufen, wenn es nicht mehr "passt". Die wenigsten Anleger haben gerne eine General Electric im Depot und die Verlustängste schlummern in jedem von uns. So musste ich mir die letzten Tage wieder bewusst ins Gedächtnis rufen, was ich eigentlich will. Wo meine Zielvorgaben liegen und wie ich dies gedenke umzusetzen.

 

Kernpunkt meiner Strategie ist, Dividenden zu generieren, um damit langfristig ein festes Einkommen zu haben. Nun kürzen amerikanische Unternehmen nicht leichtfertig die Dividenden auf Grund von Quartalszahlen, die unter Umständen von Einmaleffekten geprägt sind. So haben die Ölgesellschaften die Dividenden stabil gehalten, obwohl der Ölpreis kurzfristig unter 30 Dollar rutschte.

  

Maßgebend ob die Dividende ausgeschüttet werden kann, ist der Gewinn des Unternehmens. Genaugenommen nicht der ausgewiesene Buchgewinn, sondern der Free Cashflow (FCF), also das Geld, das am Ende eines Jahres tatsächlich übrig bleibt. Der FCF ist durch bilanzielle Buchhaltungskunst wesentlich weniger zu beeinflussen als der Gewinn je Aktie und die daraus abgeleiteten Kennzahlen wie das KGV.

 

Für mich heißt das zunächst, verdient das Unternehmen genug Geld und ist die Dividende sicher? Die Informationen, die man dazu auf den verschiedenen Seiten wie Yahoo Finance oder dividend.com findet, sind manchmal widersprüchlich. Ich ziehe daher gerne den Aktienfinder von Torsten Tiedt zu Rate. Er kauft die Zahlen von renommierten Datenlieferanten ein und gleicht diese ab. Sind der FCF und damit die Ausschüttungsquote höher als die Dividende, was in der dazugehörigen Grafik auf einen Blick gut zu erkennen ist, dann besteht zunächst kein Grund sich Sorgen zu machen.

  

Im nächsten Schritt muss ich mir dann Gedanken machen, ob das Unternehmen in Zukunft weiterhin in der Lage ist, genug Geld zu verdienen. Dies ist oft nicht einfach und für mich als Laien kaum zu analysieren. Selbst hoch bezahlte Analysten schaffen es nicht, auf Sicht von 12 Monaten belastbare Aussagen zu treffen. Die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass es oft anders kommt als gedacht. Manche Werte werden regelrecht runtergeprügelt und erholen sich dann wieder. Dies war bei Donaldson, Target und Fastenal so. Die Probleme von Patterson halte ich für lösbar und Qualcomm wird meiner Ansicht nach unterschätzt. Sollte das Geschäft eines Unternehmens doch länger in Bedrängnis kommen, so ist das ein langer Leidensweg für die Investierten, der sich über Monate und Jahre hinzieht. Die Aktionäre von General Electric, der Deutschen Bank oder den Energieversorgern können davon ein Lied singen. Irgendwann wird es jedem klar werden, dass die Luft raus ist. Bis es allerdings soweit ist, sind Kursverluste von 50 % und mehr zu verzeichnen.

 

Damit dies nicht an meine Existenz geht, habe ich viele Werte im Depot und kann mein Nichtwissen damit ausgleichen. Ich muss immer damit rechnen, dass es eines meiner Unternehmen erwischt. Bei angestrebten 50 Unternehmen, die mit je 10k Investitionssumme gewichtet sind, liegt mein Verlustrisiko bei einer Insolvenz gerade bei zwei Prozent der gesamten Investitionssumme. Der Verlust bei einem Verkauf ist zwar unschön, wird aber alleine durch die laufenden Dividendeneinnahmen ausgeglichen und es besteht kein Grund gleich in Panik zu verfallen. Solange die Dividenden zumindest stabil bleiben, habe ich keinen Anlass zu Aktionismus.

 

Ich habe die letzten Monate diese Sichtweise zunehmend aus den Augen verloren und versuche nun, mich wieder auf das Wesentliche zu besinnen und das allgemeine Marktrauschen auszublenden. Ich bin kein Trader, der auf Kursgewinne spekuliert.

 

Es schadet sicher nicht, ab und an die eigenen Ziele und die Strategie ins Gedächtnis zu rufen, um wieder sein inneres Gleichgewicht zu finden.  

 

Ich wünsche euch Gelassenheit, während der turbulenten Börsentage.

 

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Kommentare: 27
  • #1

    Michael (Samstag, 17 November 2018 17:16)

    Hallo Alexander,
    kann Dir nur zustimmen. Was gerade bei BAT los ist, ist mir völlig schleierhaft.Vor allen Dingen: was ist dort so anders als bei Altria. Mir scheint, dass das Brexit-Drama hier mitschwingt. Ich halte beispielsweise auch Ashtead (Baumaschinenverleiher)-nicht im Dividendendepot-, die seit Jahren nur den Weg nach oben kannten und urplötzlich zur Zeit auch nach unten gedreht haben. Der irrationale Markt? Was soll's, die Dividendenstrategie macht Spass und jetzt wird sich zeigen wie stark unsere Nerven wirklich sind. Mit solidarischem Gruß aus Oberfranken. Michael

  • #2

    Annabella (Samstag, 17 November 2018 17:48)

    hallo Alexander,
    sehr guter Artikel, ich kann dem nur beipflichten, ich habe vorgestern bei BAT nochmals zugekauft, dennoch hab ich ein wenig Bauchgrimmen dabei, die Dividendenrendite ist zwar vorzüglich, aber ich möchte mein Geld auch nicht in Rauch aufgehen lassen, ich bin manchmal hin und hergerissen, ich benötige das Geld ja nicht, dann lockt wieder die Dividende, manchmal nicht so einfach.
    Ich bin bei meinen letzten Investitionen angelangt, nächstes Jahr möchte ich noch bisschen Cash machen und nur noch die Dividende re-investieren (bei einem richtigen Crash würde ich allerdings an meine Reserven gehen).

    Wünsche Dir weiterhin Alles Gute und eben auch Gelassenheit :)
    Annabella

  • #3

    Matthias (Samstag, 17 November 2018 19:33)

    Guten Abend,

    im Herbst ist Hochsaison für Prognosen. Noch besser wird es zum Jahresende. Dann gibt es zig Prognosen für 2019. Schlagzeilen wie Depot für 2019 Wetterfest aufstellen und Co sind zu erwarten. Das hat dann den Wert eines üblichen B**d Artikels. Mir macht es selbst Spaß mit anderen über Aktien und Aussichten zu reden. Das ist es doch, was den Spaß am investieren bringt. Aber letztlich kann niemand prognostizieren, was morgen oder übermorgen passiert. Schon gar nicht nächstes Jahr. Daher ist es eine Herausforderung für jeden langfristigen Investor sich nicht von den Schlagzeilen und Blog News verrückt machen zu lassen. Gar nicht so einfach.

    Viele Grüße,
    Matthias

  • #4

    Bergfahrten (Samstag, 17 November 2018 20:41)

    Hallo Alexander,
    danke für deinen Beitrag! Ja du hast zu 100% recht - die möglichen Kursschwankungen von einzelnen Aktien sind schon recht krass. Wie du sagst bei 50 Aktien beträgt dein Risiko nur 2% von einem einzelnen Wert. Die Schwankungen sollte man bestmöglich ausblenden und möglichst langfristig denken. Ich habe heuer einen Marillenbaum gepflanzt - bin gespannt wieviele Jahre es dauert bis er Früchte trägt �
    Cool bleiben und viele Grüße
    Bergfahrten

  • #5

    Thomas von DIVDepot (Samstag, 17 November 2018 21:02)

    Hi Alexander,

    ich habe ebenfalls einige Titel die du genannt hast im Depot. Entscheidend ist nicht der Preis an de Börse sondert der Wert der Unternehmen der dahinter steht. Langfristig wird der Börsenpreis den tatsächlichen Unternehmenswert abbilden.

    Solange der Wert stimmt, braucht man sich eigentlich keine Sorgen machen. Vielmehr kann man die niedrigen Kurse zum Nachkaufen oder grundsätzlich zum Investieren nutzen.

    Entscheidend für einen Einkommensinvestor ist letztlich der Cashflow der zurück fließt und das passt ja soweit.

    Letztlich hast du ja einen der wichtigsten Punkte angesprochen - nämlich dem treu bleiben einer funktionierenden Strategie. Und genau das ist bei der Dividendenstrategie der Fall.

    Grüße Thomas

  • #6

    RalfRutke (Samstag, 17 November 2018 22:44)

    Mal wieder ein super Beitrag. Und jetzt melde ich mich auch Mal zu Wort, lange war ich nämlich nur stiller Mitleser.
    Lange natürlich nur in Bezug auf meine noch kurze Investmentkarriere :)

    Ich nähere mich immer weiter den Einzelaktien und habe diesen Monat auch BAT ins Portfolio gelegt.
    Meine Investments sind natürlich noch Peanuts aber selbst ich freue mich schon über den aktuellen Herbstsale an den Börsen.

    Glücklicherweise bin ich jemand, der in solchen Zeiten sehr cool bleiben kann. Ich schaue täglich in mein Depot, aber nicht um die Verluste zu analysieren. Im Gegenteil, ich schaue welche Kurse niedrig sind um dann nachzukaufen. Viele predigen schon fast man soll ruhig bleiben. Ich kann das auf mich bezogen kaum verstehen. Vielleicht liegt das aber noch an meinem "niedrigen" Kontostand im Depot und einer Sparquote die nur "ganz okay" ist.
    Alles natürlich wieder relativ gesehen :)

    Ich denk mir immer, wenn's Berg ab geht, geht's (meistens) demnächst nur noch höher wieder hinauf.
    Geht's jemandem ähnlich? Oder müsst ihr euch alle immer beruhigen bei fallenden Kursen?

  • #7

    Monaco (Samstag, 17 November 2018 23:43)

    Servus Ralf,

    ja, mir geht's genauso wie Dir. Kann es als Dividenden-Investor nicht verstehen, warum bei den Kursschwankungen alle so nervös werden, obwohl man ja die (oft unsinnigen) Gründe dafür kennt. Ich bleibe wirklich tiefenentspannt und freue mich sehr über fallende Kurse. Ich muß aber sagen, dass mir das Lesen mancher Blogs, so wie eben dieser hier, erst zu dieser Denkweise gebracht haben. Dafür nochmal einen großen Dank an Alexander!!

    Schaue übrigens auch täglich ins Depot. Im Frühjahr war es sogar mal eine Zeitlang mit über 15.000 im Minus - na und, die Dividenden kamen und ich habe relativ günstig nachgekauft.

    Manchmal denke ich, ich bin zu naiv oder unbedarft. Aber wenn man von seinen Firmen überzeugt ist, warum in Panik verfallen?

  • #8

    Monaco (Samstag, 17 November 2018 23:49)

    Frage an alle:

    Ich habe oft das Problem, mich zu Buy-and-Hold zu zwingen. Aber eben dann, wenn ich einen fetten Gewinn mitnehmen könnte. Z. B. habe ich eine Position P&G, welche aktuell mit 12.000 im Plus ist. Es juckt verdammt in den Fingern zu verkaufen, v. a. weil ich denke, es dauert nimmer allzu lange (viell. 2 Jahre), bis eine Korrektur oder gar ein Crash kommt.

    Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Wie schafft ihr es, der Verlockung Gewinnmitnahme zu widerstehen?

    VG
    Christian

  • #9

    Gerry (Sonntag, 18 November 2018 00:53)

    @Monaco/ Christian:
    Stell dir dein Depot wie einen Rosengarten vor! Wenn du immer die schönen Rosen abschneidest (P&G Verkauf) und das Unkraut züchtest (Verbilligen), dann hast du irgendwann nur noch Unkraut im Garten.

    Oder:
    Warum willst du bei einem Verkauf deines Top-Wertes an Staat und Kirche bis zu 28% Steuern abdrücken und was machst du mit dem Geld ? Bei einer Neuanlage müsstest du erst mal wieder einen so guten Wert finden und hättest dann nicht mal 3/4 des ursprünglichen Betrags !

  • #10

    Herbert (Sonntag, 18 November 2018 01:04)

    Hallo Alexander,

    danke auch für diesen Beitrag. Ich denke, gerade bei einer marktbreiten Korrektur, wie z.Z., kann man als Einkommens- bzw. Dividenden-Investor gelassen bleiben. Wenn der Markt sich wieder erholt, sind die Qualitäts-Titel meist vorne mit dabei.

    An Monaco:

    Beträgt der Kursgewinn das Mehrfache der jährlich zu erwartenden Dividende, kann man auch mal Gewinne mitnehmen, auch wenn es bei echten Dividenden-Werten schwer fällt.

    VG
    Herbert

  • #11

    Jörg (Sonntag, 18 November 2018 05:19)

    Moin,

    Das „Problem“ der zu gut laufenden Positionen versuche ich durch Teilverkäufe zu lösen. Es ist doch nicht verboten, die Anteile später mal wieder einzusammeln.

    Habe es bei MC Donalds so gehandhabt - die sind in der letzten Zeit auch ziemlich heiß gelaufen. Sinnvolle Alternativen zur Wiederanlage gibt es doch immer zur Genüge.
    Die Steuern zahle ich da gerne, da sich ja auch die zukünftige Dividendeneinnahmen erhöhen :-)

  • #12

    RalfRutke (Sonntag, 18 November 2018 08:50)

    Ebenfalls Servus Monaco,

    das, was du an Schwankungen hast, habe ich leider noch nicht Mal im Depot. Ich habe erst 2017 mit dem Sparen und gleichzeitig mit dem investieren angefangen.

    Bisher habe ich noch keine Position verkauft und aber auch noch keine, die so gut läuft.
    Dennoch habe ich mir die Regel zum Teilverkauf aufgestellt, falls Mal eine Position so gut laufen sollte

  • #13

    Peter (Sonntag, 18 November 2018 09:36)

    Hallo Alexander,
    es ist schön zu sehen das für alle eigentlich die Emotionen das Problem sind.
    Waren nicht Anfang 2016 alle Ölwerte zu Untergang verdammt. Kraft Heinz - TOT ?!
    War P&G nicht schon unter 60 € in diesem Jahr? Deine ruhige Art zu investieren sollte als
    Vorbild dienen. Entscheiden muss jeder selber. Ich danke dir jedenfalls für die Inspirationen.

    Gruß
    Peter


  • #14

    Maddin (Sonntag, 18 November 2018 12:12)

    Hallo Gerry,

    dein Beitrag ist leicht verwirrend. Besonders das mit den 3/4eln.


    Zunächst habe ich gedacht, dass du denkst man muss den gesamten Verkaufserlös versteuern. Nunja ich nehme mal an, dass du da nur von den Verkaufgewinnen gesprochen hast.

  • #15

    Ingo von Mission-Cashflow (Sonntag, 18 November 2018 12:16)

    Eine gute Erinnerung der Artikel an das, was wirklich wichtig ist. Kann man nicht oft genug wiederholen.

    Davon ab, das waren doch noch keine großen Schwankungen! Minus 10% im Oktober ist gar nichts und wer da schon aus der Ruhe kommt, der sollte lieber alles verkaufen und aufs Konto packen oder sich was schönes für kaufen. Ansonsten wird er keine ruhige Nacht mehr haben, wenn's wirklich mal nach unten kracht.

    Wohl dem der etwas Geld zur Verfügung hat, um immer mal wieder etwas günstig nachzukaufen. Viel Glück!

    CU Ingo.

  • #16

    Alexander (Sonntag, 18 November 2018 13:12)

    Moin zusammen,

    mir ging es nicht alleine um Kursschwankungen, 10 % hin oder her kriege ich schon gar nicht mehr mit. Bei IBM zum Beispiel, habe ich aus dem Bauch gesagt, ich kaufe vorerst nicht nach. Was eigentlich Blödsinn ist, wenn man sich die Zahlen anschaut, ist die Dividende doch recht sicher und darauf kommt es mir an. Ich werde IBM weiter aufstocken.

    Wann verkaufen ist immer die Gretchenfrage. Verkauft man zu bald, verpasst man problemlos auch mal eine Verzehnfachung. Da ich bekanntlich nicht auf Kursgewinne aus bin, mache ich es von meiner persönlichen Dividendenrendite abhängig. Beispiel Microsoft, die sind gut 150 % im plus und meine persönliche Rendite liegt bei 4,1% brutto. Ich müsste den Verkaufserlös in eine Anlage stecken, die mir genauso viel Geld bringt, was an sich kein Problem ist. Nur "zerstöre" ich letztlich meine Depotstruktur, wenn ich nur noch eine Branche habe. Also lasse ich es vorerst mal liegen. Ich arbeite momentan eh etwas an meiner Strategie, ob es da nicht Optimierungspotential gibt.
    Dazu gibt es aber demnächst einen weiteren Artikel, der auf diesen hier indirekt aufbaut.

    Danke allen für die tollen Kommentare
    Alexander

  • #17

    Alexander (Sonntag, 18 November 2018 15:12)

    Hallo Jörg,
    ich habe deinen Kommentar gelöscht. Ich rufe dich an ;)

    Viele Grüße
    Alexander

  • #18

    Finanzguru41 (Sonntag, 18 November 2018 15:43)

    Hallo Alexander,

    deine persönliche Dividendenrendite bei MSFT ist 4,1% bezogen auf den Kaufkurs. Du sagst, dass du bei einem Verkauf etwas ähnliches (also mit ca. 4%) als Ersatz finden müsstest. Ist das nicht der klassische Denkfehler, den viele mit ihrer „persönlichen Dividendenrendite“ machen? Die tatsächliche DivRendite ist doch unter 2% beim aktuellen Kurs. Und das gilt auch für deinen Depotbestand der MSFT-Aktie. Bei einem Verkauf und Ersatz durch einen aktuellen 4%-Dividende-Kandidaten würde sich die Dividende also verdoppeln.

    Das heißt natürlich nicht, dass du MSFT verkaufen sollst. Ich behalte meine auch. Aber ich wollte es ja nur mal so gesagt haben.

    Gruß und einen schönen Restsonntag,
    Frank

  • #19

    Christoph (Sonntag, 18 November 2018 18:38)

    @Finanzguru: das mit der Rendite verstehe ich nicht.
    Wenn er durch den günstigen EK 4,1% Rendite hat dann hat das nix mit der aktuellen Rendite bei einem Neukauf zu tun.
    Die 4,1 hat er nunmal.

    Ich verkaufe nur wenn das Geschäftsmodell und oder das Managment zukünftig wenig rosig ausschauen (zb bei GE ) oder wenn mein Bauchgefühl sagt weg damit.

    Generell freue ich mich über sinkende kurse da ich monatlich fast alle aktien per Sparplan nachkaufe. Von 30 bis 200 euro ist da jede Rate dabei.

    Wenn ein Wert Richtig im plus ist schaue ich höchstens mal welche Rendite würde ich für dieses geld bei einem neuen kauf einer anderen Aktie erhalten.
    Solange die nicht deutlich höher ist mache ich nichts.

  • #20

    Finanzguru41 (Sonntag, 18 November 2018 22:57)

    @Christoph: Die Dividenenrendite der Microsoft Aktie zum aktuellen Kurs ist rund 1,5%. „Persönliche 4%“ sind es nur, weil der Kaufkurs damals niedriger war.

    Ich rechne mal vor (vereinfachtes Beispiel, nicht Microsoft):
    - Kauf einer Aktie zu 100€ vor ein paar Jahren
    - Aktie steigt auf jetzt 300€
    - Dividende jetzt 6€/300€ Aktienkurs = 2% DR
    - Persönl. DR = 6%, da ich 6€/100€ Kaufpreis bekomme

    Ich bekomme aber trotzdem nur 2% auf den aktuellen Kurs und nicht mehr Dividende, nur weil ich die Aktie früher günstiger gekauft habe. Verkaufe ich die 300€ Aktie jetzt und ersetze sie durch eine, die jetzt echte 4% DR hat, bekomme ich 12€ Dividende pro 300€ Aktie und nicht nur 6€.

    Ich sage ja nicht, dass man sein Depot deswegen umbauen muss, ich behalte selbst auch die Aktien, die mir zusagen und renne nicht jeden Dividenden-€ hinterher. Aber die „persönliche Dividendenrendite“ ist ziemliche Augenwischerei. Ja, man bekommt mehr für sein tatsächlich ausgegebenes/angelegtes Geld. Aber gemessen am aktuellen Buchwert ist da sicher Potential nach oben.

  • #21

    Alexander (Montag, 19 November 2018 11:36)

    Wir können das ja konkret durchrechnen:
    Ich habe 76 MSFT für 3008 € gekauft. Rechne ich das mit dem aktuellen Kurs 1,14 €/$ um, sind das 3429 $ oder 45,12 $ pro Aktie.
    MSFT notiert aktuell bei 106,87 $, mein Gewinn liegt 106,87-45,12 = 61,75 $.
    Bei einem Verkauf müsste ich grob 16,28 $ Steuer/Aktie bezahlen und ich habe an freiem Kapital 76 x 90,89 =6.885 $ zur Verfügung.
    Die Dividende liegt bei 1,84 $ pro Aktie x 76 Aktien = 139,84 $
    Bezogen auf meinen EK bekomme ich 4,08 % Rendite.

    Nehme ich das Geld in die Hand bräuchte ich ein neues Unternehmen mit einer Rendite von mindestens 139,84 $ / 6.885 $ * 100 = 2,03%

    Kaufe ich jetzt eine Aktie mit 4 % Rendite, verdoppelt sich meine Dividende.

    Da hat Finanzguru41 vollkommen recht. Da muss ich mir überlegen, ob ich umschichte oder lieber die Aktien behalte. Hierbei spielen die Depotzusammensetzung und die Erwartungen der künftigen Dividendenrendite eine Rolle. Dazu muss ich aber meine persönliche Dividendenrendite im Auge behalten. Es bringt ja nichts, wenn ich nach der Umschichtung keine Vorteile habe ;)

    Dies kann ich mit allen Aktien in meinem Depot machen (was ich auch vor habe) und werde eventuell einen Wert durch einen höher rentierenden ersetzen. Optimierungspotential ist vorhanden. Das soll langfristig genutzt werden.

    Momentan arbeite ich an einer leichten Änderung des Depots und meiner Zielsetzung, da sich die persönlichen Voraussetzungen im Laufe der Jahre etwas ändern. Ich bevorzuge zwar eine ruhige Art zu investieren, was aber nicht zwangsläufig in Stillstand ausarten muss. Dazu gibt es bald einen extra Blogbeitrag, der auf diesem hier aufbaut.
    Da halte ich es wie Finanzguru41 schreibt und renne nicht jedem Dividenden-€ hinterher.

  • #22

    Christoph (Dienstag, 20 November 2018 01:16)

    Also due 4% dividenden Rendite bleiben egal wie hoch der aktuelle kurs ist. Man muss die inmer auf den EK und nicht auf den aktuellen kurs beziehen.

    Ausser man plant einen Verkauf.

    Im konkreten Beispiel von Alex würde sich der Verkauf theoretisch lohnen und er hätte von den anfänglichen 3.000 nun eine dividenden rendite von 8%. Das würde sich schon lohnen.

    Aber da es sich um ein Depot mit breiter streuung handelt ist der Erhalt besser.

  • #23

    Dieter (Dienstag, 20 November 2018 19:44)

    hallo alexander,
    habe wie immer auch alle kommentare gelesen. und auch ich möchte dir für diesen artikel danken. und für deinen gesamten blog. hier werde ich immer ziemlich schnell wieder "geerdet". ich lese oftmals auch ältere beiträge nach.

    ich habe vor 2jahren 2 statistiken gefunden über die monatsperformance des S&P 500. einmal durchschnitt seit 1900 und einmal in 20-jahres zeiträume. hier sind september und oktober recht mau, ab november gehts aber wieder ab wie schmitz katze bis januar. kann sie dir alexander bei interesse die bilder gerne senden.

    in so "unruhigen" zeiten probiere ich gerade aus, mit traden auf divi-werte bis 1,5% etwas cash zu generieren was dann wieder in meine depotwerte fließt. HRL+LMT+BD läuft gerade, HD hat funktioniert, sogar das top erwischt. immer kleine beträge und die gebühren halten sich bei IB in sehr engen kleinen grenzen.

    meine einstellung momentan, abwarten aber bei gelegenheiten zuschlagen. nicht von börsengurus und weltuntergangspropheten einschüchtern lassen. die wollen nur unser bestes......unser geld.

    ruhige und besonnene grüße an alle

  • #24

    RalfRutke (Mittwoch, 21 November 2018 16:07)

    Hallo Dieter,

    was du da beobachten konntest, sieht fur mich fast wie der sogenannte Halloween-Effekt aus.

  • #25

    Alexander (Mittwoch, 21 November 2018 20:04)

    Hallo Dieter,

    du kannst mir gerne die Grafiken schicken.

    Viele Grüße
    Alexander

  • #26

    Thomas der Sparkojote (Freitag, 23 November 2018 00:13)

    Hallo Alex,

    Schön gesagt, auch mein Depot hat die letzten Monate etwas abgespeckt. Es ist turbulenter als sonst, ob uns ein Crash bevorsteht, das mag keiner Wissen. Im Nachhinein sehen wir es ja dann!

    Auch ich besinne mich dann gerne auf mein ursprngliches Ziel, durch Dividenden Cashflow aufbauen! Das lässt mich ruhig schlafen. Besonders Activision Blizzard und Nvidia haben grossen Rückschlag erlitten, letzteres ist bei mir dennoch gut im Plus. Wobei die schon mal bei 290$ waren und mittlerweile bei 140$ sind.

    Grüsse
    Thomas

  • #27

    Karl Heinz (Freitag, 23 November 2018 20:14)

    Ich bin ganz neu hier, zuerst mal ein herzliches Servus aus Wien an alle und im Speziellen an Alexander für diesen verständlichen Blog mit vielen wertvollen Einblicken und Hinweisen. Selbst bin ich nach über 15 Jahren Abstinenz von der Börse, damals geprägt von spekulativen, mehr von Gefühl als von Verstand geleiteten Aktienveranlagungen, an einem neuen Punkt angelangt. Mir steht in wenigen Jahren die Rente ins Haus, wo ich nur wenig zu erwarten habe. Zur Pensionsvorsorge habe ich auf eine Immobilie gesetzt, die demnächst verkauft wird und einen schönen Betrag einbringt von dem ich doch recht lange zehren könnte. Da ich Kinder habe und es auch Inflation gibt wäre eine risikoarme Veranlagung jedoch sinnvoller, zB. um ein passives Einkommen zu erzielen. Eigentlich klar, dass ich hier landen musste :)

    Wünsche euch allen steigende Erträge, viel Erfolg und wenig zittern und freue mich bald als neuer Dividendenanleger dabei zu sein .