Das Währungsrisiko und ich oder Warum ich mir da keine Gedanken mache

 

Ich werde immer wieder gefragt, ob bzw. wie ich das Währungsrisiko einschätze. Dies ist sehr individuell, ich mache mir da weniger Gedanken.

 

Angenommen der $/€-Kurs steht pari bei 1:1 und er würde auf 1,50 $ steigen, was einer Änderung von 50 % entspricht. Nun halbieren sich meine Dividenden nicht, sondern sie reduzieren sich lediglich um 33 %. Statt 100 € bekomme ich dann nur noch 100 $ / 1,50 = 66,67 €.

 

Die Wechselkursänderung hat nur Auswirkungen auf mein bisheriges Investment. Damit der Währungseinfluss korrekt erfasst wird, müsste ich zu jedem Kauf den Wechselkurs notieren und könnte dann den gewichteten Durchschnittskurs bezogen auf mein Dividendeneinkommen bestimmen.

 

Im Gegenzug kann ich aber Aktien günstiger erwerben. Angenommen der Kurs einer Aktie steht bei  20 $, dann bekomme ich bei einem Wechselkurs von 1:1 für 1.000 € gesamt 50 Aktien. Steht der Dollar bei 1,50, dann bekomme ich bei gleichem Aktienkurs 1.000 € / (20 $ /1,50) = 75 Aktien. Beträgt die Dividendenrendite 5 %, dann bleibt die Rendite 5 % bezogen auf den Kaufzeitpunkt bestehen, egal wie der Wechselkurs steht. Meine Rendite ändert sich erst, nachdem ich gekauft habe.

 

Ich gehe davon aus, dass der Wechselkurs zwar schwanken, aber kurzfristig nicht extreme Abweichungen aufweisen wird, da ab einem gewissen Zeitpunkt ein zu großes Ungleichgewicht zwischen den Handelsräumen entsteht und die Notenbanken eingreifen werden. Letztendlich wird sich durch die häufigen Käufe ein Mittelwert bezüglich des Wechselkurses herausbilden.

 

Habe ich mein Ziel von 1.000 € Dividende im Monat erreicht, könnten im ungünstigen Fall die Einnahmen zurückgehen. Hier setze ich wiederum auf die Dividendensteigerungen, dass diese den Rückgang ausgleichen. Es könnte aber auch in die andere Richtung gehen und ich mache sogar Währungsgewinne.

 

Mein Ziel von 1.000 € im Monat ist fix. Angenommen ich würde es schaffen, 1.500 €/Monat zu erhalten, dann spielt es gar keine Rolle mehr, wenn die Einnahmen auf 1.400 €/Monat sinken oder auf 1.600 €/Monat steigen.

 

Eine weitere Argumentation ist, dass mein Depotwert sinken könnte. Dies spielt für mich keine Rolle, da ich die Aktien möglichst nicht verkaufen möchte. Solange der Ertrag stimmt, ist es vollkommen egal, ob der Depotwert 500k oder 1 Mio. € beträgt. 100 Aktien bleiben nun mal 100 Aktien.

 

Letztendlich spielt der Umrechnungskurs während der Ansparphase eine Rolle, denn hier entscheidet sich, wie viel ich investieren muss. Möchte man später aus der Substanz leben oder ist das Ziel sehr ambitioniert, dann sollte man über das Währungsrisiko durchaus mehr nachdenken. Da ich auf einem guten Weg bin, mein Ziel zu erreichen oder sogar übertreffen werde, mache ich mir deshalb keine Sorgen.

 

 

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Kommentare: 12
  • #1

    Erfolgsmaschine (Donnerstag, 15 Juni 2017 16:30)

    Es kommt darauf an, ob du die Aktien bald wieder verkaufen möchtest, oder eher lange behalten möchtest. Der Umrechnungskurs spielt nur beim Kauf oder Verkaufen eine Rolle.
    Ich habe jetzt auch nicht auf den Umrechnungskurs geachtet, da ich als Schweizer sowieso die wenigsten Aktien in meiner Landeswährung kaufen kann. Dazu kommt, dass wir Nationalbanken haben, die auch wollen, dass die Währungen einigermassen stabil bleiben.

    Gruss Fabian

  • #2

    Problembär (Freitag, 16 Juni 2017 09:47)

    Ich mache mir die Welt widde wie sie mir gefällt.

  • #3

    Sparkojote (Freitag, 16 Juni 2017 11:34)

    Hallo Alex,

    Ich muss ehrlich sagen, das so ein Szenario vergleichbar mit einem Crash ist, ich kenne Leute die dazumals viele Anlagen in Euro hatten. Nachdem die SNB den Mindestkurs
    von CHF und EUR aufgehoben hat, ging viel Geld verloren.

    Bei so einem Szenario würde es von der Logik her bedeuten, nachkaufen was das Zeug hält und im ideal Fall stabilisiert sich der Kurs wieder einigermassen. Ist beim Euro auch nicht anders gewesen.

    Gruss
    Thomas

  • #4

    Alexander (Freitag, 16 Juni 2017 15:37)

    @Fabian
    Wie ich geschrieben habe, ich möchte nicht verkaufen, wenn es gut läuft, halte ich die Aktien für den Rest meines Lebens.

    @Problembär
    Richtig. Da ich in meiner eigenen Welt lebe, bin ich glücklich und zufrieden Widdebum.

    @Thomas
    Sollte der $ bei 1,50 oder höher stehen, dann werde ich meine Rücklagen sukzessive investieren. Langfristig wird es sich dann hoffentlich wieder einpendeln.

  • #5

    Toby (Freitag, 16 Juni 2017 22:48)

    Hi Alex,
    btw, schöne Einzahlung und auch Käufe :-)
    Momentan spricht mich leider nichts an, in meinem Depot wo ich nachkaufen würde (ausser vllt Target , naja mhh, zuviele wenns). Ich werde jetzt mal zweigleisig fahren und mir nen Anleihen ETF reinholen, mal schauen was darraus wird.
    MfG
    Toby

  • #6

    Torsten (Samstag, 17 Juni 2017 15:58)

    @Sparkojote: Das Schicksal des Schweizer Franken wird sich beim Dollar kaum wiederholen. Die FED unternimmt ja keine Stützungskäufe, so wie es die Schweizer Notenbank getan hat. Entsprechend gibt es keinen Aufwertungsstau.

    @Alexander: Ein schwacher Dollar ist gut für den Unternehmensgewinn der in Dollar bilanzierenden Unternehmen, deren Umsätze aus dem Ausland in Dollar mehr wert sind gerechnet. Dies führt tendenziell zu steigenden Kursen und Dividenden, was auf längere Sicht die Wechselkursverluste wegen teilweise kompensieren kann. Ein Grund mehr, entspannt zu sein.

  • #7

    Alexander (Sonntag, 18 Juni 2017 15:57)

    @Toby
    Gut aufgepasst ;)
    Ich tu mir momentan auch schwer, aber wer weiß schon, wie lange das so weitergeht.
    Mit Anleihen kenne ich mich nicht so gut aus, ist aber bestimmt eine interessante Alternative.

    @Torsten
    Stimmt, die Firmen profitieren ebenfalls davon. Sollte es ganz hart kommen, dann fällt mir eine Lösung ein.

  • #8

    Vermögensanleger (Dienstag, 20 Juni 2017 09:37)

    Hallo Alexander,

    in ganz vielen ähnlichen Angelegenheiten kann ich durch Ignorieren von zweitrangigen Aspekten den Einstieg in die Finanzwelt einfacher machen. Auf den Blick eröffnet sich für einen Anfänger ein riesiger Wust an Themen und Fachbegriffen. Erst mit der Zeit lernt man, dass man 80 % davon gar nicht benötigt. Leider gönnen sich manche den zweiten Blick gar nicht erst. Von daher ist es ein wichtiger Beitrag von dir. Komplizierte Finanzprodukte würde ich ebenfalls zu den überflüssigen Problemen gesellen, die man ignorieren kann. Mir würden wahrscheinlich noch viele Aspekte mehr einfallen, wo sich der Aufwand sich da einzuarbeiten gar nicht lohnt.

    Grundwissen, eine klare Strategie, der man treu bleibt und ein bisschen Disziplin sind genug um erfolgreich zu sein.


    Schöne Grüße
    Marco

  • #9

    Alexander (Dienstag, 20 Juni 2017)

    Hallo Marco,

    das sehe ich genauso. Vielleicht noch etwas gesunder Menschenverstand dazu mischen. Man weiß nie, was morgen ist. Man kann ein Unternehmen noch so genau analysieren und dann kommt etwas, das man nicht am Schirm hatte. Das ist mir schon zu oft passiert.

    Viele Grüße

  • #10

    Tom (Mittwoch, 28 Juni 2017 13:42)

    Hallo Alex

    Ich gehe die Sache genau so pragmatisch an wie Du! Kann sein, dass die Währungen schwanken, dies ist wie von Dir beschrieben aber bei den Dividenden aber auch den Aktienpreisen der Fall. Gibt es weniger Dividende, kann ich dafür umso mehr Aktien in derselben Währung kaufen. Bei einem Anlagehorizont von über 20 Jahren ist die Sache aus meiner Sicht nicht überzubewerten...

    Beste Grüsse
    Tom

  • #11

    Alexander (Mittwoch, 28 Juni 2017 18:43)

    Hallo Tom,

    vor allem auf Sicht von 20 Jahren. Da hat die allgemeine Entwicklung deutlich mehr Gewicht.

    VG Alexander

  • #12

    Nullzinssparer-Michael (Dienstag, 05 September 2017 00:15)

    Hallo Alexander,
    mir geht es da ähnlich wie dir. Der Großteil meines Wertpapierdepots besteht aus US-Aktientiteln, die ich mit Euro kaufe.
    Meine Depot-Wertentwicklung ist durch den starken Wertanstieg des Euros der letzten Wochen etwas zurückgegangen, aber das lässt mich kalt, da ich einen starken Euro sehr schätze. Ich bekomme ja mehr US-Aktien fürs gleiche Geld.
    Derzeit lebe ich in den USA und halte etwa 1/3 meines Barvermögens in USD. Den Rest in Euro. Als wir Anfang des Jahres beinah die Parität erreicht hatten (1 Euro = 1,04 USD), habe ich zusätzlich Dollar in Euro gewechselt. Ich nutze die Wechselkurse also je nach Lage und versuche mir nicht all zu viele Sorgen deswegen zu machen. Langfristig betrachtet, wird sich das sicher glätten und ich versuche aus jeder Situation das Beste zu machen, wie jeder rationale Anleger.
    Viele Grüße aus den Staaten,
    Michael