Diversifikation - eine Frage der Definition?

Über Diversifikation liest man immer wieder, aber keiner denkt eigentlich darüber nach.

 

Was bedeutet eigentlich Diversifikation?

 

Ich habe das mal bei Wikipedia geklaut:

 

Von Diversifikation wird bei Investitionen in Finanzprodukte gesprochen, wenn laufende Spar- oder einmalige Vermögensbeträge nicht vollständig in eine Einzelanlage fließen, sondern auf unterschiedliche Anlageformen (z. B. Wertpapiergattungen wie Aktien, Anleihen, Investmentfonds usw.) sowie auf verschiedene Finanzdienstleister oder Wertpapier-Emittenten – möglicherweise mit Sitz in verschiedenen Ländern – verteilt werden.

 

Hintergrund dieser verbreiteten Investmentstrategie ist eine Risikodiversifikation, d. h. die Vermeidung eines möglichen Totalverlustes durch gleichzeitiges Investieren von Teilbeträgen in alternative, unterschiedlich riskante Anlageformen, so dass das Gesamtvermögen in diverse Finanztitel gestreut wird. Der gewünschte Effekt der Risikoreduzierung wird dadurch bewirkt, dass zwei oder mehr Wertpapiere, die untereinander eine niedrige Korrelation aufweisen, miteinander in einem Portfolio kombiniert werden...

 

Vereinfacht gesagt, nicht alle Eier in einen Korb legen, um einen Totalverlust zu vermeiden.

 

In den meisten Medien wird Diversifikation immer auf den Vermögenserhalt bezogen, als wäre das das Wichtigste auf der Welt. Dann kommen immer irgendwelche Empfehlungen zu Aufteilungen nach Aktien, Immobilien, Gold, Anleihen usw. Dazu soll man in verschieden Länder, Währungen und Hausnummern streuen, so als hätte jeder Millionen zu verteilen. Ziel ist aber immer, wenn eine Anlagekategorie gerade schlecht läuft, dass eine andere dieses auffängt und das Vermögen gleich bleibt oder zumindest weniger schwankt.

 

Hier frage ich mich immer, ob das denn sinnvoll ist?

Wenn ich mein Vermögen möglichst wenig schwanken lassen will, eindeutig ja.

 

Aber mal ehrlich, mich interessiert nicht jeden Abend die Summe meines Vermögens. Denn dann müsste ich jeden Tag den Wertverlust meines Autos berechnen, die Wertänderung meiner Immobilien kalkulieren, mein Depot dazurechnen und im Bankschließfach die Gold- und Währungsreserven neu bewerten. Ziemlich unsinnig oder?

 

Mich interessiert nicht, wie hoch mein Vermögen ist, sondern welche Erträge ich erwirtschafte. Von den Erträgen kann ich mir etwas kaufen oder weiter investieren. Ich muss meine Erträge diversifizieren. Schon mal darüber nachgedacht? Wo hat man den letzten Artikel über Ertragsdiversifikation gelesen?

 

Erträge kann ich z. B. durch Aktien (Dividenden), Mieteinnahmen, Zinsen oder Rentenzahlungen erwirtschaften. Gold, Silber, Rohstoffe, Währungen werfen keine Erträge ab.

 

Ich muss also meine Einnahmen diversifizieren.

 

Einen Teil decke ich durch meine gesetzliche Rente ab. Wie hoch diese ausfällt, wird sich noch zeigen, auch wenn ich jährlich meine theoretische Rentenanwartschaft bekomme. Da habe ich wenig Einfluss drauf.

 

Anleihen werfen zur Zeit nicht die Welt ab und haben ihre eigenen Risiken. Sie haben sicher ihre Daseinsberechtigung, sind für mich aber derzeit uninteressant.

 

Mieteinnahmen durch Immobilien. Eigentlich hat man da nur etwas davon, wenn diese nicht fremdfinanziert sind. Decken die Mieteinnahmen Zins und Tilgung, ist das gut für den Vermögensaufbau, jedoch habe ich kaum bis gar nichts zur freien Verfügung. Erst wenn die Immobilie weitestgehend schuldenfrei ist, dann bleiben Einnahmen zum Verbrauchen über. Um nicht gleich 100.000 € und mehr in eine Wohnung zu investieren, würde sich hier z. B. das Vermieten von Garagen anbieten. Die kann man bar bezahlen (kosten bei uns gebraucht 6.000 € bis 8.000 €) und bringen 40 € bis 50 € Miete pro Monat. Stellplätze im Freien gehen natürlich auch, da hat man nicht mal Reparaturen. Bei mehreren Garagen sollte der Mietausfall einer Garage nicht gleich die eigene Existenz gefährden.

 

Dann haben wir noch Unternehmensbeteiligungen, sprich Aktien.

 

Mein nächstes Lieblingsthema: Länderdiversifikation.

 

Ich soll in verschiedene Länder investieren. Also Griechenland, Somalia, Mexiko, Argentinien?

Vermutlich ist damit wohl eher der Stammsitz des Unternehmens gemeint und nicht die politische Sicherheit der Länder (Risikokontrolle). Was aber auch wieder eher zweitrangig ist, denn letztendlich geht es um die Währungssicherheit. Es spielt keine sonderlich große Rolle, ob ein Weltkonzern in Deutschland oder Frankreich sitzt, beide Länder gehören dem Euro an. Ich kann mich daher auf große, und weitestgehend stabile Währungen konzentrieren wie Euro, US-Dollar, Franken usw.

 

Eine weitere Diversifikation ist die Größe der Unternehmen. Ich unterstelle einfach einem Weltkonzern mehr Dividendensicherheit, als einem kleinen Nischenunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mio. Euro, das nur regional tätig ist.

 

Die meiner Meinung nach wichtigste Diversifikation sind die Branchen, in denen die Unternehmen tätig sind.  Ob zyklisch oder nicht zyklisch, welche Produkte gefertigt werden, wie der Bedarf sich entwickelt. Verdienen die Unternehmen Geld, können sie Dividenden zahlen und damit zu meinen Einnahmen beitragen.

 

Ich kann rein durch die Branchen eine Diversifikation in Rohstoffe (Öl, Gold usw.), Immobilien, Verbrauchsgüter, Nahrung, Pharma, Dienstleistungen usw. erreichen.

 

Wenn ich mir die Branchen ausgesucht habe, muss ich mir nur noch die passenden Unternehmen dazu suchen. Mit zunehmender Anzahl Unternehmen sinkt auch das Risiko, dass ein Zahlungsausfall, meine Einnahmen zu sehr beutelt. Bei gleichgewichteten Erträgen je Unternehmen macht ein Totalausfall bei 20 Aktien 5 % meiner Erträge aus, bei 40 Unternehmen nur noch 2,5 %. Sind die Einnahmen gut über verschiedene Branchen verteilt, deren Korrelation nicht zu hoch ist (eine negative wird man fast nicht hinkriegen), dann sind Zahlungsausfälle nur punktuell zu befürchten.

 

Mein Rentendepot besteht fast nur US-Werte, deren Erträge abhängig vom Wechselkurs $/€ sind. Wie hoch ist mein Währungsrisiko?

 

Hier muss ich meine gesamten Einnahmen betrachten.

Angenommen, ich habe Einnahmen von 1.500 €  (Rente, Arbeitslohn, Mieten) und 1.500 € aus US-Dividenden, dann erziele ich 50 % dollarabhängig. Ändert sich der Wechselkurs zu meinen Ungunsten um 33 %, so dass die US-Dividenden nur noch 1.000 € beitragen, ist das bezogen auf meine Gesamteinnahmen eine Änderung von rd. 17 %.

 

Zum Einen halte ich derartige Wechselkursschwankung über einen längeren Zeitraum für unwahrscheinlich, da die Wirtschaft zu sehr miteinander verbunden ist und zum Anderen, sollten die Dividenden im Schnitt um 5 % pro Jahr steigen, habe ich diesen Einnahmenrückgang bereits nach drei Jahren wieder "hereingeholt". Angenommen meine Einnahmen liegen 1.000 €/Monat über meinem Bedarf, dann spielen Währungsschwankungen gar keine Rolle mehr.

 

Mein Ziel ist die Ertragsdiversifikation und nicht ein möglichst schwankungsarmer Vermögenserhalt.

 

Darüber kann man durchaus auch einmal nachdenken.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Delura (Montag, 18 April 2016 07:15)

    Hallo Alex,

    ich kann mich Deinen Erläuterungen zu fast 100% anschließen. Ich habe nur noch zur Ergänzung einen kleinen Teil meines Depots in kanadischen Werten investiert.

    Zugegebener Weise ist der kanadische Markt ziemlich Bank/Immobilien/Gas/Öl lastig. Aber ich finde der kanadische Dollar, wie auch der australische Dollar sind sehr rohstoffabhängig und können ggf. ein gewisses Währungsrisiko zwischen Dollar und Euro konterkarieren.

    VG

  • #2

    mafis (Montag, 18 April 2016 07:18)

    Moin,
    ich glaube du hast schon Recht mit dem Thema. Obwohl ich denke das hängt viel vom Vermögen/Einnahmen ab, welches man besitzt.

    Hat man eigentlich mehr Einnahmen als man benötigt. Dann sind einen starke Schwankungen recht egal oder? Sind die Einnahmen jedoch fast exakt bei den Ausgaben kann man sich Schwankungen schlecht erlauben.

    Gruß,
    mafis

  • #3

    Alexander (Montag, 18 April 2016 17:52)

    Der kanadische Dollar und der US-Dollar korrelieren doch recht miteinander, ob das einen Unterschied macht?

    mafis, du hast natürlich recht. Man muss immer die einzelne Situation betrachten. Wenn es recht knapp ist, muss man da ein ganz anderes Augenmerk darauf richten. Je Überschuss erwirtschaftet wird, desto leichter kann man Mietausfälle, Währungsschwankungen usw. verkraften.

  • #4

    Christoph (Donnerstag, 21 April 2016 12:51)

    toller Beitrag Alex. Stimme dir voll und ganz zu.
    Verstehe auch nicht wieso die Leute immer sagen Nicht alles in US Aktien stecken. Dabei weiß man doch dass die USA seit 100 Jahren die Wirtschaftsmacht Nr 1 ist. Glaube das wird sich auch nicht ändern. CHina? Keine Chance denn die können eigentlich nur nachmachen. Aber innovativ sind sie nicht.

  • #5

    Alexander (Donnerstag, 21 April 2016 18:06)

    Danke Christoph,
    und Warren Buffet hat seine ersten Milliarden auch komplett in US-$ gemacht.
    Ich sehe auch die USA derzeit sicherer (trotz Trump) als die EU und den €. Wenn es hier mal richtig rumpelt, dann traue ich den US-Firmen eine höhere Überlebenschance zu.