Neuer Fonds mit Dirk Müller

Ein neuer Fonds erblickt das Licht der Welt. Maßgeblich beteiligt als Berater und "Gesicht" ist der als Mr. DAX bekannt gewordene Dirk Müller. Anscheinend ist es chic, wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, einen eigenen Fonds aufzulegen.

 

Nun frage ich mich, weiß Herr Müller mehr als ich bzw. alle anderen? Dies betrifft übrigens auch Prof. Max Otte und weitere bekannte Persönlichkeiten. Ich komme zu dem Schluss, eigentlich nicht. Hört sich im ersten Moment vermessen an, aber betrachtet man das Ganze nüchtern, so ist auf alle Fälle sicher, dass diese die Zukunft auch nicht kennen und es morgen schon ganz anders ausschaut.

 

Dann stellt sich die Frage nach dem Fachwissen. Dieses kann man erlernen, einfache Grundlagen wie KGV, KBV, PEG, Gewinn usw. sind kein großes Geheimnis, ebenso das Lesen von Bilanzen. Sicherlich haben die beiden (ich nehme diese nur als Beispiel) ein größeres und tiefergehendes Fachwissen als ich, das ist unbestritten. Aber ob Fachwissen alleine schon jemanden zu einem besseren Investor macht, glaube ich nicht.

 

Hier kommt die Erfahrung ins Spiel. Jeder, der sich über Jahrzehnte mit einem Fachgebiet auseinander setzt, wird hier durch Erlebtes Erfahrung sammeln. Die Kunst besteht darin, die gemachte Erfahrung in kluge Entscheidungen umzusetzen. Ich gehe davon aus, dass Herr Müller, Herr Otte und viele andere bekannte Börsenmenschen ziemlich gut darin sind, aber bringt dies dem Einzelnen, weniger Bewanderten, tatsächlich Vorteile und kann dieser davon letztendlich partizipieren? Vielleicht bei der individuellen Vermögensberatung, aber nicht bei einem Fond.

 

Warum nicht? Hierfür sehe ich mehrere Gründe. Zunächst wird ein Ausgabeaufschlag von 4% verlangt, dann ist eine Managementgebühr von 1,69 % zu berücksichtigen. Mit der Managementgebühr sind aber nicht alle Kosten, die anfallen gedeckt. Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren wird zusätzlich belastet, oft wird sogar die Werbung für den Fonds aus den Anlegermitteln bestritten.

 

Fonds unterliegen in Deutschland gewissen gesetzlichen Vorgaben, was einerseits sehr sinnvoll ist, um den Anleger zu schützen, aber andererseits den Fondmanager erhebliche Einschränkungen auferlegt. 100% Aktienquote oder 100% Cash sind oft nicht erlaubt, als Privatanleger kann ich machen was ich will. Der Fonds unterliegt einer, wenn auch dummen Verpflichtung (Erwartung), nicht zu sehr im Wert zu schwanken. Es wird eine positive Rendite gefordert, da sich der Anleger sonst sehr schnell verabschiedet.

 

Daher sollen in diesem Fall Optionen gegen Kursverluste angewendet werden. Eine Option ist nichts anderes als eine Versicherung, die Geld kostet und nichts bringt, wenn der Schadensfall nicht eintritt. Letztendlich ist der Fond auf Kursgewinne ausgerichtet und entwickelt damit einen Tradingcharakter, der mit investieren in Firmen und deren Geschäft wenig zu tun. Warum in aller Welt, soll ich meine Dividende von Coca-Cola für Optionsscheine (Puts) ausgeben, um mich davor zu schützen, dass der Kurs von 40 $ auf 30 $ fällt? Wäre es nicht klüger, die Dividende zu sammeln und bei 30 $ zusätzliche Coca-Cola Aktien zu kaufen?

 

Die Frage ist letztendlich, kann auf Grund der anfallenden Gebühren und Zwänge ein Fonds den Markt langfristig schlagen? In sehr geringen Ausnahmefällen - ja, aber die Masse schafft das nicht. Da ist man als Anleger vermutlich mit einem ETF noch besser beraten. Wenn man sich mit der Börse etwas auseinander setzt, kann man auch Einzelaktien erwerben. Die meisten Einzelanleger fahren auf lange Sicht besser als die meisten Fondmanager.

 

Ich will mit meinem Beitrag nicht Herrn Müller oder Herrn Otte unlautere Absichten unterstellen, aber ich möchte zum Nachdenken anregen, ob ein bekanntes Gesicht ausreicht, das sauer Ersparte zur Verfügung zu stellen, im Vertrauen darauf, dass diese (Damen) Herren ein "Geheimnis" haben, das sich letztendlich in "bare" Münze umwandelt.

 

Ich persönlich entscheide lieber selber über meine Anlagen und wenn etwas falsch läuft, kann ich niemanden die Schuld dafür geben.

 

Gute Investments allen

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Ulrich (Montag, 20 April 2015 15:45)

    Naja, wer heute noch Ausgabeaufschlag zahlt, ist selbst schuld. Bei ebase etc. geht es bekanntlich seit vielen Jahren ohne.

    Von Müller und seinen oft krassen Thesen halte ich nicht viel. Stammgast in den lästigen Talkshows der Republik. Seinen Fonds werde ich eher meiden.

    Fond ist übrigens eine Brühe oder der Rücksitz im Auto. Wenn es um Geldanlage geht, nennt sich das Ding Fonds, auch in der Einzahl.

  • #2

    Alexander (Montag, 20 April 2015 17:41)

    Oops, man muss ja sparen wo es geht ;)
    Ich habe noch ein paar "s" spendiert.

    Dirk Müller ist sicherlich sehr speziell, aber über manche Dinge kann man durchaus nachdenken.

  • #3

    Christian (Mittwoch, 22 April 2015 08:10)

    Dirk Müller hat seine Prominenz recht clever vermarktet. Seine Bücher haben sich ja wohl recht gut verkauft, gelesen habe ich sie nicht. Warum er ausgerechnet jetzt damit anfängt einen eigenen Fonds auf die Beine zu stellen? Ich denke mal, die Idee stammt nicht von ihm und er ist mehr oder weniger nur das Gesicht des Ganzen, auch wenn er anderes behauptet. Und sich mit Optionen abzusichern ist ja nun wirklich keine neue Erfindung.

    Es macht mich grundsätzlich misstrauisch, wenn jemand mit einer gewisssen Prominenz über die Börse redet - gerne auch mit einem moralischen Unterton - und mir dann etwas verkaufen möchte. Nicht mein Ding.

  • #4

    Alexander (Mittwoch, 22 April 2015 18:18)

    Ich habe beide Bücher gelesen. Was wirklich Neues steht nicht drinnen und es gibt fachlich tiefgründigere Bücher, die die Themen besser behandeln. Ein nicht Börsianer wird natürlich sehr beeindruckt sein, aber als lockere Lektüre im Zug, Urlaub oder K.. taugen sie ganz gut. Ich lese gern verschiedene Ansichten und Meinungen, in der Summe baut man sich dann sein eigenes "Weltbild". Jedenfalls schadet es nicht, sich seine Gedanken zu machen. Und wenn wir ehrlich sind, er hat die Gunst der Stunde genutzt als Mr. Dax und setzt seinen Promistatus gekonnt ein. Würde ich wohl auch so machen. Pecunia non olet.

    Ich habe mir mal seine Aktienliste angeschaut. Nichts Berauschendes und einen Teil der Titel würde ich gar nicht erst in Betracht ziehen zu kaufen. In der Krise muss er sich (bzw. der Fonds) letztendlich beweisen.