Aktienquote im Alter

Man liest immer wieder, dass man seine Aktienquote seinem Lebensalter anpassen soll. Als Faustregel gilt 100-Alter = Aktienanteil in Prozent. So sollte z. B. ein 70-jähriger nur noch 30% in Aktien investiert sein und den Rest in "sicheren" Anlagen wie Anleihen (am besten womöglich in Staatsanleihen) usw. halten. Das ist eine der unsinnigsten Aussagen, die immer wieder selbst von Bankberatern verbreitet wird. Die Aktienquote ist immer im Einzelfall und differenziert zu betrachten. Die Unsinnigkeit zeigt sich am Beispiel von vermögenden Familien, wie z. B. bei der BMW-Erbin Susanne Klatten. Sie besitzt ein erhebliches Paket an besagter Firma und erhält jedes Jahr mehrere 100 Mio. Dividende. Der Vorschlag, dass sie einen Teil Ihrer Beteiligung veräußert, weil sie älter wird, ruft bei mir ein gewisses Unverständnis und Verwunderung hervor. Nun sind die Wenigsten von uns mit einem derartigen Vermögen gesegnet, daher muss man sich durchaus über eine Kapitalallokation Gedanken machen. Eine Aktienquote von 100% ist dann sinnvoll, wenn die gesetzliche Rente plus Dividendenerträge für ein respektierliches Auskommen genügt. Sollte in der Rentenphase auf das Grundkapital zurückgegriffen werden müssen, ist es ausreichend für max. 4-5 Jahre das notwendige Kapital vorzuhalten, um nicht in schwachen Börsenphasen verkaufen zu müssen. Besteht z. B. ein zusätzlicher Bedarf von 500 €/Monat, wären dies zwischen 24.000 € und 30.000 €. Je nach Depotgröße können dies 10% oder eben auch 50% sein – unabhängig vom Alter! 


Mein Ziel ist, dass ich meinen Kapitalstock nicht angreifen muss und den Ruhestand bei steigenden Dividendeneinnahmen genießen kann.

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Kommentare: 11
  • #1

    Alex von Reich-mit-Plan.de (Sonntag, 02 November 2014 12:48)

    Grüß Dich,
    interessanter Blog den du hier gestartet hast. Ich lese dich nun regelmäßig.
    Zu deinem Beispiel mit den 100 - Alter. Oft wird dieses Regel von Menschen angesproche die selbst am Anfang ihres Vermögensaufbaus sind und das in einem Buch gelesen haben.
    Wer aber erstmal einige Jahre in der Anlagemühle steckt und sieht wie stark die Erträge mit den Jahren steigen, der würde nie auf die Idee kommen, seinen Goldesel abzugeben, wenn auch nur zu Teilen.
    Klar eine gewisse Diversifikation über mehrere Assets hinweg und auch mit Blick auf das alter, aber man muss es auch nicht übertreiben.
    Wer sich also mit Aktien gut auskennt, den Markt und sein regelmäßig im Auge hat und selbst aktiv an der Börse teilnimmt, der kann gut und gerne mit 100% Aktienquote auch mit 70 Jahren gut durchs Leben kommen.
    Ich finde, je weniger man sich mit der Materie beschäftigt, je niedriger sollten die Anteile an mitunter stark schwankenden Assets sein.
    Gruß
    Alex

  • #2

    Alexander (Montag, 03 November 2014 16:58)

    Hi Alex,
    bin jetzt 2 Monate online, dachte nicht, dass da so viel Background-Arbeit erforderlich ist. Aber Stück für Stück wächst meine Seite.

    Zu 100-Alter, dies "Merkregel" hab ich leider auch schon in Börsenmagazinen gelesen und von Bankern gehört. Wie du schreibst, man muss es individuell betrachten.

  • #3

    Matthes (Montag, 10 November 2014 19:32)

    Hallo,


    vorweg, ein interessanter Blog, und viel Erfolg für die Zukunft.


    Zu Deiner Aussage mit der Aktienquote "100 - Alter" kann ich nur zustimmen. Diese Reglung ist absoluter Schwachsinn und wird gerne auch von Bankberatern, überwiegend bei Jungen Leute, verwendet.

    Gruß

  • #4

    Alexander (Dienstag, 11 November 2014 20:00)

    Hallo Matthes,
    danke Dir für das Lob.

    Die nächsten Wochen werde ich hier so nach und nach die Webseite weiterbauen und das Depot wird 2015 auch deutlich wachsen. Wird hoffentlich interessant ;)

  • #5

    Der Privatier (Mittwoch, 12 November 2014 20:49)

    Dann will ich mich doch auch einmal in die Reihe der "Begrüßer" einreihen:

    Herzlich willkommen im Reich der Finanzblogger und natürlich viel Erfolg mit Deiner Seite und mit Deinem Vorhaben!

    Wir Ingenieure sind es ja gewohnt, mit Zahlen umzugehen und sachlich und nüchtern zu planen. Das merkt man Deinem Plan und den Berechnungen an. An einer Stelle würde ich aber Einspruch erheben. Du schreibst in Deinem Plan:
    "Ich rechne mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 10% meiner Anlage in 18 Jahren, daher muss ich insgesamt 240.000 € investieren. Das Risiko soll überschaubar bleiben..."

    Wenn Du die Aktien gefunden hast, die Dir eine durchschnittliche Dividendenrendite von 10% erwirtschaften und das bei einem "überschaubaren" Risiko, dann sag' mal Bescheid! Die suche ich auch noch.

    Ich würde mal sagen, wenn Du die Hälfte erreichst (also ca. 5%), kannst Du froh sein. Denn: Wir reden ja von einem Durchschnitt! Da sind dann auch mal welche mit 3-4% dabei und dann müssen eben auch schon einige mit 6-7% dabei sein. Und das wird schon schwierig genug.

    Gruß, Der Privatier

  • #6

    Alexander (Donnerstag, 13 November 2014 18:23)

    Hallo Privatier,

    danke für die Grüße. Deine Seite hat mich übrigens auch etwas inspiriert, online zu gehen. Ich werde sie bei meinen Bloglinks aufnehmen, falls du das nicht wünscht, werde ich den Link selbstverständlich sofort wieder rausnehmen.

    Zu den Zahlen:
    Es ist sehr ambitioniert und ob ich den Schnitt tatsächlich schaffe, wird sehr interessant. Langfristig 10% Dividendenrendite zu erreichen, sollte nicht das Problem sein. Bei 2% Anfangsrendite ist auf Sicht von 10 Jahren "nur" eine Steigerung der Dividende von durchschnittlich 10%/Jahr erforderlich. Das schaffen schon einige. Problematisch sind nur die später gekauften, diese haben nicht die Zeit den Zinseszinseffekt auszunutzen und ziehen natürlich den Schnitt runter. Je näher ich meinem Ziel komme, desto mehr muss ich auf die prozentuale Rendite und weniger auf das mögliche Wachstum schauen.

    In der Excel-Tabelle von Dave Fish sind einige dabei, die Wachstumsraten der Dividende von 20+x% im Zahnjahresschnitt aufweisen. Diese Raten werden auf Dauer nicht zu halten sein, jedoch bringen 15% Steigerungsrate knapp 25% Rendite in 18 Jahren auf das angelegte Kapital. Theoretisch könnte es bei einer passenden Depotzusammenstellung funktionieren. In einem meiner Depots habe ich z. B. Freenet, die bringen mittlerweile 23%. Deutsche Post und MunicRe liegen inzwischen bei rd. 8%. Günstig gekauft und etwas Glück gehabt. Ich möchte damit nur sagen, es kann gehen.

    Zum Risiko, da ist die Überlegung, wie man Risiko definiert. Kursschwankungen fallen nach meiner Philosophie definitiv nicht darunter. In meiner Übersicht wird man auch vergebens eine aktuelle Depotbewertung finden. Ich sehe zwei elementare Risiken (ich lasse mal einen Kollaps der Weltwirtschaft weg oder Schwarze Schwäne).

    1. Insolvenz einer Firma
    Diesem Risiko begegne ich durch die Anzahl der Titel. Bei angestrebten 40 Titel liegt das Risiko auf das Depot (=investiertes Kapital) bezogen bei 2,5% im Falle eines Totalverlustes.

    2. Die Dividenden entwickeln sich bei allen Werten wesentlich schlechter als erwartet. Dem begegne ich durch eine Mischung aus Dinosauriern, d. h. eine IBM, McDonalds etc. und jüngeren Firmen mit größeren Wachstumsraten.

    Natürlich sind die Werte zu überwachen und der eine oder andere muss ausgetauscht werden. Die theoretischen Berechnung bieten zumindest die Chance, mein Ziel zu erreichen. Und Excel ist da sehr geduldig.

    Sollten sich wesentliche Änderungen bei meinem Plan ergeben, werde ich diese dokumentieren und begründen. Man weiss nie, was das Leben noch so alles auf Lager hat.

    Gruß Alex





  • #7

    Alexander (Donnerstag, 13 November 2014 18:25)

    Fehlerteufel: Beim Absatz zu den Zahlen muss es selbstverständlich auf 18 Jahre lauten und nicht 10 Jahre.

  • #8

    Lad (Sonntag, 23 November 2014 15:50)

    Jawohl. Als Rentner sollte man 100% des Vermögen in blue chips Aktien halten. Ich bekomme in 4 Jahren als Rente die Dividenden von 18 Aktien: BMW, AT&T, Bank of America, Wells Fargo, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Pfizer, United Technologies, Banco Bilbao, Banco Santander, Iberdrola, Telefonica SA, HSBC, Royal Dutch Shell, Tesco, Sanofi, BHP Billiton, Vale.
    Wenn die DividendenRendite heute nur 3% netto ist und einige Dividenden steigen wirklich 10% jährlich, bekommen dann meine Kinder schon 100% DividendenRendite von heutigem Kapital in 38. Jahr = 2052. Und falls die Dividenden nur noch 5% jährlich stiegen werden, auch super. Die Preise - Inflation wird 2% jährlich und die Rente wird 1% steigen. Die Rente vom Staat könnte sich also nach 70 Jahren verdoppeln. Die Dividenden können sich nach jeden 8 Jahren verdoppeln. Das eingezahlte Geld in die RiesterRente bekommt man zurück mit 0% Zins, falls man 87 Jahre alt wird. Den Zins 2,2% und den Beitrag vom Staat bekommt man von der RiesterRente nur dann, falls man 103 Jahre alt wird.

  • #9

    Alexander (Sonntag, 23 November 2014 16:49)

    Geb dir vollkommen recht, bin froh nichts mit Riester angefangen zu haben.
    In der Tabelle von Dave Fish kann man wunderbar sehen, dass einige Unternehmen über Jahre mehr als 10% steigern. Ich hab mir auch mal die Datenbank von Börse-online vorgenommen. Selbst in Deutschland gibt es Unternehmen, die die letzten 10 Jahre die Dividende um mehrere 100% gesteigert haben. Und wenn man das Grundkapital nicht braucht, um so besser.
    Also alles richtig gemacht :)

  • #10

    Lad (Montag, 24 November 2014 03:35)

    Heute gebe ich also Link auf deine Seite runter auf meine Webseite http://nr1a.com/AKTIEN

  • #11

    Alexander (Montag, 24 November 2014 17:47)

    Danke dir Lad,
    ich habe deine Seite auch verlinkt.