Gedanken zur Ölpreisentwicklung

Ab und an sollte man seine Investments überprüfen, ob die Voraussetzungen zum Kaufzeitpunkt noch gegeben sind oder sich Entwicklungen anbahnen, die einen erheblichen Einfluss auf das Geschäft und damit die Aktiengesellschaft hat.


Der Ölpreisverfall der letzten Monate betrifft logischerweise meine Investments im Ölsektor besonders. Bevor man in Panik verfällt, gilt es die Folgen zu untersuchen und sich darüber Gedanken zu machen, wie es weitergeht. Zunächst betrachte ich die Entwicklung des Ölpreises über einen längeren Zeitraum. Die untenstehende Grafik berücksichtigt zwar nicht den aktuellen Absturz, was aber nicht die Rolle spielt.

Wie man sehr schön sieht, ist der Rohölpreis ab dem Jahr 2000 extrem hochgeschossen und notiert aktuell auf dem Niveau von 2005. Nun, im Jahr 2005 haben die Ölfirmen ebenfalls prächtig verdient. Eine Pleite sollte daher allein vom Ölpreis eher nicht zu erwarten sein.


Vielleicht etwas rückläufige Gewinne, aber dem steuern die Ölfirmen entgegen, indem z. B. Investitionen vorübergehend zurückgestellt werden. Einige Explorer hat es da übel erwischt. Es werden Kosten gespart, Personal gekürzt und evtl. Aktienrückkaufprogramme gestreckt. Ein weiterer Punkt ist, Chevron und ExxonMobil sind nicht nur reine Ölförderer, sie betreiben Raffinerien, Tankstellen etc. Zwar sind die Endkundenpreise gefallen, aber nicht in dem Maße wie die Rohölpreise, daher kann durch die gestiegenen Margen der Gewinnrückgang im Fördergeschäft teilweise ausgeglichen werden.  Einzig ConocoPhillips ist da wesentlich stärker betroffen.


Laut der internationalen Energieagentur wird eine Steigerung der Rohölpreise in den nächsten Jahren auf 73 $ je Barrel erwartet.


Was hat das alles für Folgen bezogen auf meine Ölinvestments?

Die Gewinne schwanken, was bei sehr vielen Unternehmen der Fall ist. Die Aktienkurse schwanken, was ich als Vorteil sehe und vielleicht günstig nachlegen kann.


Was passiert mit den Dividenden?

Bestenfalls werden diese, wenn auch moderat, weiter erhöht. Bleiben sie gleich, kann man damit durchaus leben. Werden die Dividenden gekürzt, wäre das unschön, aber auch nicht zu ändern.


Sind die Ölwerte auf lange Sicht (10, 20, 30 Jahre) in Gefahr?

Das schließe ich nach derzeitigen Kenntnisstand aus.


Natürlich kann man noch die verschiedensten Szenarien durchspielen, langfristig sehe ich aber die Ölindustrie weiterhin als sicheres und gewinnträchtiges Investment und werde bei Kursschwächen weiter aufstocken. Jedenfalls ist der Ölpreisverfall alleine kein Grund, panisch zu reagieren.







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Kommentare: 4
  • #1

    Michael C. Kissig (Sonntag, 15 Februar 2015 16:22)

    Die "Öl-Unternehmen" gibt es so pauschal ja nicht, da sollte man strikt unterscheiden zwischen jenen, die nur Off-Shore-Förderung betreiben, Sand waschen, Fracking oder jenen, die neben der Exploration auch über Raffinerien verfügen und/oder Öl weiterverarbeiten, z:b. für die Chemische Industrie oder die Kosmetikbranche. Dann gibt es noch die reinen Dienstleister und Firmen, die nur Equipment, wie Bohrinseln oder - türme zur Verfügung stellen.

    Ein weiterer Aspekt, den man unbedingt beachten sollte, ist die Kapitalausstattung der Unternehmen und ihr Verschuldungsgrad, sprich die Eigenkapitalquote. Bei vielen Explorationswerten, gerade die amerikanischen "Fracker", sind bis an die Hutschnur verschuldet und können die relativ niedrigen Ölpreise nicht lange durchhalten. Hier droht der Totalverlust!

    Ich gebe Dir Recht, dass die großen Unternehmen, die über mehrere dieser Standbeine verfügen, die niedrigen Ölpreise überstehen werden und ihre satten Kapitalpolster auch die Dividenden eine zeitlang durchfinanzieren können. Für die anderen wird es hart, auch für die Aktionäre, Seadrill oder Transocean werden lange brauchen, bis sie sich operativ wieder erholen. Und die Dividenden sehe ich akut und längerfristig bedroht. Von den Frackingunternehmen in USA und den Sandwaschern in Kanada gar nicht zu reden...

  • #2

    Alexander (Montag, 16 Februar 2015 18:23)

    Da gebe ich Dir vollkommen recht. Wenn ich so Werbeanzeigen lese: "Amerikanische Ölwerte - Anleihen 9%p.a." kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Leider investieren viele in diese Fracking Unternehmen.

    Die Dividendenrendite von 10 % von Seadrill hörte sich auch sehr verführerisch an, man sieht aber, wie zyklisch das Geschäft ist und wie wenig nachhaltig die Dividende war.

    Deshalb habe ich nur die "Großen" genommen. In diesem Fall zählt bei mir Safty First. Wobei ConocoPhillips vom Rohölpreis am meisten abhängt. Da habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, ob ich diesen Wert verkaufe sollte. Zwei Ölförderer langen eigentlich. Ich beobachte aber erst mal die weitere Entwicklung.

  • #3

    SkyHH (Montag, 16 Februar 2015 23:02)

    Ölwerte sind schon gut und sollte man im depot haben.
    Allerdings darf man auch nicht vergessen, das es gute Öl-Werte mit einer guten DR gibt. Auf dem amerikanischen und canadischen Markt gibt es auch interessante Werte, die in den nächsten Jahren bestimmt nicht untergehen. Sobald der Ölpreis anzieht, profitiert man meistens auch davon.

    Seadrill war auch eine Erfahrung für sich. Habe nur 100 Aktien, aber irgendwann werden die bestimmt wieder eine DR zahlen. Strategie lautet eh Buy&Hold.
    Bei Seadrill stimmen die anderen Daten und es ist gut, das Sie das Kapital u.a. für den Schuldenabbau verwenden.

  • #4

    Alexander (Dienstag, 17 Februar 2015 16:27)

    Bei Seadrill sehe ich auch keine Gefahr. Kann aber 2-3 Jahre dauern, das muss man durchstehen. Vielleicht nehme ich die in mein Tradingdepot, könnte sich lohnen. Verkaufen würde ich die jetzt auch nicht.