Philosophien zur (Lebens-) Zeit

Diese Woche war wieder so eine Woche, die mir für mein Privatleben zu wenig Zeit gelassen hat. Da ist der Traum der finanziellen Freiheit doch wieder etwas stärker in den Fokus gerückt.


Zeit ist unser kostbarstes Gut und eigentlich nicht mit Geld aufzuwiegen. Da stellte ich mir die Frage: "Wieviel ist eine Stunde Lebenszeit wert?"


Wer denkt eigentlich darüber nach? Sicherlich irgendwelche Philosophen, aber eher weniger der Durchschnittsmensch.


Ich gehe von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren aus. Bei 365 Tagen und 24 Stunden pro Tag leben wir rd. 700.000 Stunden. Zieht man davon die Zeit als Kleinkind, die Schlafenszeit etc. ab, ich nehme da mal rd. ein Drittel, verbleiben etwa 467.000 Stunden Lebenszeit, in der wir wach sind und diese bewusst erleben.


Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Wie würden wir reagieren, wenn uns jemand 8.760 € bieten würde und wir dafür ein Jahr eher sterben müssten? Wer würde ein Jahr für 8.760 € verkaufen? Oder 10 Jahre für 87.600 €?


Bei 10 € pro Stunde würde man 10 Jahre Lebenszeit zu 876.000 € verkaufen. Da kommt der eine oder andere schon ins Nachdenken.


Bei 100 € pro Stunde brächten 10 Jahre bereits 8.760.000 €. Sehr viele junge Menschen würden da bereits zugreifen. "Ob ich nun 70 oder 80 werde? Egal. Mit 8,76 Millionen kann ich mir die nächsten 40 bis 50 Jahre vergolden."


Ist man etwas älter, z. B. so um die 50, würde man schon sehr genau überlegen, ob man wirklich 10 Jahre für Geld verkaufen würde. Mir geht es recht gut und das Mehr an Luxus würde es nicht rechtfertigen, dafür meine Lebenszeit herzugeben.


Vielleicht etwas weniger Zeit verkaufen? Zwei Jahre für 1,6 Mio. €? Nun komme ich doch ins Grübeln. Ich könnte sofort mit dem Arbeiten aufhören und die nächsten 20 Jahre machen, was mir Spaß macht. Reisen, Lesen, vielleicht ein Buch schreiben, mich sozial engagieren.


Wäre ich bereits finanziell frei, entweder durch Vermögen oder in Rente, hätte ich genug Freizeit und würde durch einen Verkauf meiner Lebenszeit keine deutlichen Vorteile mehr für mich generieren. Keine Sekunde würde ich verkaufen.


Der Wert der Zeit hängt bei mir (und vermutlich vielen anderen) also stark vom Alter und der finanziellen Situation ab. Je mehr man hat, desto eher verzichtet man auf einen Teil.


Dieser Tage war bei unserer Tankstelle das Benzin 14 cent/Liter billiger als sonst. Es bildete sich eine lange Schlange vor den Zapfsäulen und ich schätze die Wartezeit auf ca. 30 bis 40 Minuten. Bei 40 Litern sparten die Leute also 5,60 €. Hochgerechnet rd. 10 € für eine Stunde Lebenszeit. Und das Warten an der Tanke ist nicht die Vorstellung von Amusement, die ich habe. Ich habe nicht getankt!


Ich überlege mir oft: "Ist es mir diese Zeit wert?"


Im Umkehrschluss schätze ich dafür kleine Dividendenzahlungen um so mehr. Jeder Euro Dividende bedeutet für mich, dass ich weniger lange arbeiten muss und dafür mehr Lebenszeit habe. Sollte ich mit 63 Jahren statt mit 67 Jahren in Rente gehen können, dann habe ich 4 Jahre gewonnen.


Ich kann meine Kollegen nicht verstehen, die bis 67 arbeiten wollen, um dem Staat ja nichts zu schenken. Sie arbeiten praktisch für die Differenz Rente - Arbeitsentgelt. Das ist manchmal weniger als 10 €/Stunde, obwohl es ihnen nicht schlecht geht und sie arbeiten müssen, um ihre Existenz zu bestreiten.


Darüber sollte man nachdenken.


In diesem Sinne - Gute Investments


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Kommentare: 11
  • #1

    Teilzeitinvestor (Freitag, 04 September 2015 20:33)

    Interessante Rechnung. Mit 20 wäre ich den Deal 8 Millionen gegen 10 Jahre Lebenszeit bestimmt eingegangen.

  • #2

    Jürgen (Samstag, 05 September 2015 10:05)

    Schöner Artikel, der zum Nachdenken anregt und einen darin bestätigt was wir hier alle tun. Danke dafür !

  • #3

    Der Privatier (Samstag, 05 September 2015 16:37)

    Sehr gut philosophiert !

    Ich erlebe es momentan im Bekanntenkreis auch immer wieder, dass Leute die Angebote zur Altersteilzeit ablehnen, weil sie dann bis zur Rente (je nach Modell) für 4, 6 oder 8 Jahre lang auf 15% ihres Nettogehaltes verzichten müssten. 15% für geschenkte Jahre? Leute - da müsste ich nicht lange nachdenken!

    Nun, ich habe vielleicht leicht reden, denn ich bin ja in der glücklichen Lage, die finanzielle Freiheit bereits erreicht zu haben. Und ich würde in der Tat keine Sekunde verkaufen! (Naja - okay, wenn wir alle mal ganz ehrlich sind, ist alles nur eine Frage des Preises oder? )

    Aber das Nachdenken geht ja auch noch weiter! Nicht nur das Warten an der Tankstelle macht nämlich keinen Sinn. Da gibt es noch viele andere Dinge. Fernsehgucken zum Beispiel. Ich gucke in letzter Zeit fast gar nichts mehr. Früher meist nur Nachrichten u.ä.
    Aber macht es Sinn, sich 1 1/2 Stunden einen Film anzuschauen mit einer Geschichte, die sich irgendein krankes Hirn ausgedacht hat? Krimis, Horror oder Action-Ballerei? Für viele ist das Unterhaltung und Entspannung.
    Und ist Unterhaltung und Entspannung generell vergeudete Zeit? Einfach in der Sonne sitzen und nichts tun? Fahrrad fahren nur um des Fahrens willen? Wandern?

    Es gibt so viele Dinge, die keinen direkten Nutzen erkennen lassen. Sind sie darum vergeudete Zeit? Was sollte man in dieser Zeit nutzvolleres tun?

    Schwierige Fragen, über die es sich auch lohnt, nachzudenken...

    Gruß, Der Privatier

  • #4

    FjodorForex (Samstag, 05 September 2015 20:24)

    Hallo Alexander,

    unser kostbarstes Gut ist die Gesundheit und nicht das Geld!

    Bei beiden Dingen können wir aber selbst sehr viel beeinflussen und bestimmen. Ich würde für kein Geld der Welt auch nur eine Sekunde meiner (Lebens-) Zeit hergeben. Geld ist nur ein Mittel zum Zweck, meine Gesundheit und meine (Lebens-) Zeit sind es jedoch nicht, beides ist wichtig(er).

    Viele Grüße
    FjodorForex

  • #5

    Alexander (Sonntag, 06 September 2015 11:41)

    Gesundheit ist natürlich das Wichtigste, vor allem merkt man es dann, wenn die kleinen Wehwehchen des Alters anfangen und manche Dinge nicht mehr so gehen wie früher. Da rutscht die Gesundheit im Prioritäten-Ranking schnell nach oben.

    Zur Zeit, die man mit "Nutzlosem" verbringt, habe ich die Einstellung, dass alles was mir Freude macht und mir eine gewisse innere Ruhe und Befriedigung bringt, nicht sinnlos verloren ist. Ob das ein Spaziergang in der Herbstsonne ist, ein guter Film, die Zigarre an einem lauen Sommerabend nach dem Grillen, ein Buch oder ein schöner Film. Das hebt meine persönliche Lebensqualität. Ich kann mich eine Stunde am Meer hinsetzen und den Sonnenuntergang genießen. Ich bin glücklich und zufrieden. Da frage ich nicht nach einem Nutzen.
    Alles was mir keine Freude bereitet, ist für mich vergeudete Zeit.
    Ich denke, wenn man über die verschiedenen Facetten nachdenkt, kann man das eine oder andere doch positiv beeinflussen und vielleicht etwas mehr Lebensqualität dadurch gewinnen.

  • #6

    Zweifler (Montag, 07 September 2015 08:05)

    "...Jeder Euro Dividende bedeutet für mich, dass ich weniger lange arbeiten muss und dafür mehr Lebenszeit habe..."

    Dumm nur, dass jemand anderes diese Dividenden durch Verkauf seiner Lebenszeit erarbeiten muss. Und das für um so weniger Lohn, um so mehr Menschen Leistungslose Kapitaleinkünfte erzielen ... einfach mal so daher philosophiert ;-)

  • #7

    Alexander (Montag, 07 September 2015 18:04)

    Kann man durchaus so sehen. Andererseits arbeite ich erst mal, um mir das Kapital zum Anlegen zusammen zu sparen. Dann trinke ich eine Cola oder nutze Software usw.
    Dadurch gebe ich wieder den Leuten Arbeit, ist halt so ein Kreislauf.

    Aber letztendlich muss am Ende einer dafür "bluten". Hm, ich habe aber kein schlechtes Gewissen deswegen. Und die meisten sparen eh nicht, daher werden die leistungslosen Kapitalbezieher immer in der Minderheit bleiben.

    Ich gehöre also zu einer Minderheit.....

  • #8

    Kosto (Freitag, 11 September 2015 19:49)

    Hallo Alexander,

    ein wirklich sehr guter Artikel, der zum Nachdenken anregt; danke dafür. Ich sehe es ganz genauso wie von Dir im Beitrag und Deinen Kommentaren beschrieben; für mich steht schon seit längerer Zeit fest: Das wichtigste Gut ist Gesundheit für alle die einem wichtig sind und für sich selbst; dann die freie Lebenszeit und erst danach das Geld. Allerdings kann man sich mit letzterem zweiteres „erkaufen“, denn ist ausreichend Geld vorhanden, das ausreichende Erträge „erwirtschaftet“, kann man frühzeitiger aufhören einer regulären Arbeit nachgehen zu MÜSSEN (wem seine Arbeit so erfüllt, kann ja trotzdem weiter arbeiten – solche Leute gibt es ja auch).
    Ich selber bin allerdings ein so vielseitig interessierter Mensch mit vielen Hobbies, die mich mehr erfüllen als meine Arbeit; außerdem gibt es Menschen (Familie / Freundeskreis) mit denen ich lieber meine Zeit verbringe, anstatt sie mit Arbeit verbringen zu müssen.
    Persönlich und das habe ich für mich daher (schon vor längerer Zeit) beschlossen, werde ich in absehbarer Zeit meine wöchentliche Arbeitszeit reduzieren (ich bin jetzt Ende dreißig) und mit Mitte / Ende vierzig das übliche „Hamsterrad“ als Arbeitnehmer dann vollständig verlassen.
    Ermöglicht durch die regelm. Dividendeneinnahmen; seit knapp 10 Jahren lege ich schon starke Priorität darauf in aussichtsreiche qualitativ hochwertige Unternehmen mit regelm. steigenden Dividenden zu einem möglichst guten Preis zu investieren (so wie es Du, Michael der Dividendensammler oder ZaVodou und viele andere tun).
    Je früher man damit anfängt, umso besser.
    Die Jahre zuvor an der Börse legte ich noch keinen besonderen Wert auf Dividendenzahlungen.
    Es ist für mich übrigens auch keinerlei Konsumverzicht, denn mir macht es weit mehr Spaß, Anteile eines hervorragenden Unternehmen, zu einem guten Preis zu erwerben, als mir z.B. eine teure Rolex für den gleichen Preis zu kaufen und dann zu tragen. Meine etwa 100 EUR teure Uhr zeigt mit ziemlich gleicher Präzision die Zeit an – Lebenszeit die immer weiter voranschreitet.

    Ach ja, ich führe auch noch ein separates Tagesgeldkonto, wo ein Teil meiner Dividendeneinnahmen gesammelt werden, die nicht wiederangelegt werden, um diese für mich angenehme Dinge zu verwenden. Es ist für mich ein zufriedenstellenderes Gefühl, wenn ich mir sagen kann, der Urlaub oder z. B. eine neue Kamera wurden von „meinen“ Unternehmen bezahlt, als wenn das Geld vom Arbeitseinkommen stammen würde. Das separate Konto wird ja regelm. sowieso aufgefüllt.
    Nämlich eines ist mir mit fortschreitendem Lebensalter auch bewusst geworden, dass ich lange eher zu sparsam war und mir mit immer weiter steigendem Vermögen bewusst wurde, dass es relativ egal ist, ob ich irgendwann mal mit ein paar hunderttausend EUR (oder was auch immer in der Zukunft) mehr oder weniger im Depot / auf dem Bankkonto sterbe; den Erben wird sowieso mehr als genug bleiben.

    So, in diesem Sinne, Dir und allen anderen viel Erfolg bei ihren Anlagen.

    Gruß
    Kosto

  • #9

    Alexander (Samstag, 12 September 2015 13:29)

    Hallo Kosto,

    ich habe leider zu spät mit den Dividenden angefangen, ein paar Jahre läuft es zwar bereits, aber ich liebäugel zumindest mit dem Ruhestand mit 62.

    Komischerweise bedeuten mir die materiellen Dinge auch immer weniger. Wenn mir eine Uhr, Auto etc. gefällt und den Anforderungen entspricht, ist das OK. Muss nicht teuer sein. Irgendwelche Marken interessieren mich nicht mehr.

    Dir auch viel Erfolg.

    Grüße
    Alexander

  • #10

    Christoph (Mittwoch, 16 September 2015 12:27)

    Hallo,
    Ein super (Hollywood)Film dazu: "In Time". In diesem hat (Rest)Lebenszeit die Währung ersetzt und alles wird damit abgerechnet.
    https://www.youtube.com/watch?v=Gpw4rWIy0-I
    Man kann ihn einfach als leichte Unterhaltung genießen (an Action mangelt es auch nicht) oder tiefsinniger über diese fiktive Gesellschaftsordnung und die Parallelen zu unserer Geld-Gesellschaft nachdenken.
    Also, wenn ihr 1,5 Stunden Lebenszeit mit einem guten Film verbringen wollt, das ist mit Tipp :-)
    Lg
    Christoph

  • #11

    Alexander (Mittwoch, 16 September 2015 15:58)

    Kann ich nur empfehlen. Ich habe den Film bereits 2mal gesehen.